Willkommen auf der Homepage von Frank-Wolf Matthies

Tagebuch Fortunes - Splitter:

 

Der Mensch macht beinahe nie Gebrauch von den Freiheiten, die er hat, so z.B. von der Denkfreiheit; statt dessen fordert man zur Entschädigung Redefreiheit. (Søren Kierkegaard, FF 143) Wer schon nicht arbeitet, der soll wenigstens gut essen, lautete eine scherzhafte Bemerkung in meiner Kindheit, fügen wir hinzu, und wer schon nicht über sich und seine eigene Verantwortung nachdenkt, der soll wenigstens andere über die ihre belehren. Wer schon nicht denkt, der soll dafür um so mehr reden ... reden ... reden. Die Masse machts, sagte der Bäcker, der seine Brötchen 3 Pfennige unter dem Herstellungspreis verkaufte.

Die Politik ist die Kunst der Gesellschaftsführung, wenn man nicht weiß, wie sie zu führen ist. Politische Ideen zu haben ist die einfachste Art, keine Ideen zu haben. Die einzige Art, eine Gesellschaft zu lenken, bedeutet, die anderen geringzuschätzen. Brüderlichkeit wird aus gegenseitiger Geringschätzung geboren. Der Fortschritt ist die am wenigsten elegante aller nicht notwendigen  Lügen. Auch ohne an den Fortschritt zu denken, wird man aufhören fortzuschreiten (sic!) … Das Anwachsen des industriellen Lebens, das sich parallel zum Anwachsen der wissenschaftlichen Leistungen ergab, erweiterte die kommerziellen Aktivitäten. Daraus ergab sich in den modernen Gesellschaften eine wesentlich kommerzielle und industrielle Mentalität mit genau den Charakteristiken, die zu jeder Zeit mit solchem Leben korrespondierten und ihr Resultat waren: die Liebe zum Luxus, die Degeneration des Moralgefühls durch das Vorherrschen des Geschäftsinstinktes, die Gleichgültigkeit gegenüber höheren Zielen in politischen Fragen etc. Im individuellen Bereich waren die Auswirkungen von derselben Ordnung. Die kommerzielle Mentalität erzeugt in allen Zeiten bestimmte Auswirkungen: eine gesteigerte Neigung zum Luxus, die Schwächung des Moralgefühls, bis zu einem gewissen Punkt eine soziale Weichheit (António Mora)… Die Demokratie ist die Nachbarin aus dem Stockwerk über mir, die ihren Müll immer in meinen Garten kippt … Die Politik ist ein eitler Irrtum derjenigen, die als Hausmeister geboren wurden … Alle unsere Meinungen sind die von anderen … Das Zeitalter der Ökonomen ist für die Kunst die Hölle, denn das Zeitalter des plebejischen Gefühls ist notwendigerweise ein für die Kunst abträgliches Zeitalter … Die äußere Welt ist eine kollektive Halluzination, ein Schöpfungs=Mittelwert zusammengezählter Einbildungen … Der nervöse Hochdruck ist längst zum Normalzustand bei der großen Mehrheit derer geworden, die in den Marsch der öffentlichen und sozialen Angelegenheiten eingereiht sind. Die Hypererregung wurde zur Gewohnheit. Die Hypererregung wurde zum Normalzustand einer geisteskranken Gesellschaft … (5601) Politik ist farbenfroher Abfall, bunte Minderwertigkeit, rot, blau, schwarz, gelb, grün, ... Der zeitgeistige Politiker definiert keine Gesellschaftsvorstellungen, da er ... sie ... es unfähig ist, sich die Gesellschaft vorzustellen ... der zeitgeistige Politiker stellt seine utopiefreie Dummheit kostümiert vor ... Politiker sind ebenso wie Schriftstellerinnen u.ä. ein unangenehmer Anblick, ihnen zuzuhören erzeugt Übelkeit ... (5891)

Die christliche Kirche hat mit Jesus soviel zu tun, wie wie ein Politiker mit dem Aufgehen der Sonne. (6191)

Jeder erinnert etwas anderes ... Gemeinplatz

Die Poesie ist eine mündliche Form der Prägung der Geschichte in Zeitlupe.

Ernst Herbeck, 1920 - 1991

Die Gegenwartsliteratur ist eine steuerlich absetzbare Einkommenserzielungsabsicht unter Vorspiegelung von Gedankenbesitz.

Empfehlung:

Bewundern Sie sich selbst, bevor es kein anderer tut.*

*Doch vergewissern Sie sich zuvor, dass Sie allein sind ... da Selbstlob bekanntlich stinkt. Den Narren stehen alle Türen offen ... außer die Außentür, fügte einstmals der Direktor eines Irrenhauses hinzu.

Die Welt ist so, wie jeder Einzelne sie sich vorstellt. (7464)

Wirklichkeit ist das, was man sich vorstellt. (5440)

Wirklichkeit ist unbeständig, sie existiert weder in der Vergangenheit, wenn auch im Kostüm der Erinnerung, sie existiert nicht in der Zukunft, vermag jedoch vorgestellt zu werden, erträumt zu werden, wobei es von jedem Einzelnen abhängt, ob diese Träume Sehnsüchte oder Alpträume sind. Wer den Moment nicht wahrnimmt, der wird sich später nicht erinnern können, ebenso, wie der Moment der Boden für die Vorstellung einer Zukunft ist ... Im Moment scheint diese Grundlage allerdings ziemlich nährstoffarm, ziemlich dünn, begrenzt ohnehin, also wenig ergiebig ... überhaupt sehr fragmentarisch ... (5442)

Wirklichkeit ist immer flüchtig. Wirklichkeit entsteht ununterbrochen. Wirklichkeit hat keine Vergangenheit, wenn auch Erinnerungen. Wirklichkeit hat keine Zukunft, wenn auch Träume, welche, je nachdem, Alpträume oder Wunschträume sein können. Was der Einzelne in diesem Moment nicht wahrnimmt, daran wird er sich auch nie erinnern können. So wie er sich auch nichts wünschen kann, was auf dieser Wahrnehmung beruht. So wie er auch nichts fürchten kann, was auf dieser Wahrnehmung beruht. So wie er auch nichts fürchten wird, was auf Erinnerung beruht. Jeder erinnert etwas anderes. Jeder wünscht etwas anderes! Man täusche sich nicht ob der der Ähnlichkeit der Worte. (7465)

Welt ist ein "Unikat". "Die Welten" ist ein Unfug. (7566)

 

Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel
(* 4. Oktober 1633 in Hitzacker; † 27. März 1714 in Salzdahlum bei Wolfenbüttel)
Sterbelied

Es ist genug, mein matter Sinn
Sehnt sich dahin,
wo meine Väter schlaffen.
Ich hab es endlich guten Fug,
Es ist genug! Ich muss mir Rast verschaffen.

Ich bin ermüdt, ich hab geführt
Die Tages Bürd:
Es muss einst Abend werden.
Erlös mich, Herr, spann aus den Pflug,
Es ist genug! Nimm von mir die Beschwerden.

Die große Last hat mich gedrückt,
Ja schier erstickt,
So viele lange Jahre.
Ach lass mich finden, was ich such:
Es ist genug! Mit solcher Kreuzes Ware.

Nun gute Nacht, ihr meine Freund,
Ihr meine Feind,
Ihr Guten und ihr Bösen!
Euch folg die Treu, euch folg der Trug.
Es ist genug! Mein Gott will mich auflösen.

So nimm nun, Herr! hin meine Seele,
Die ich befehl
In Deine Händ und Pflege.
Schreib ein sie in dein Lebensbuch.
Es ist genug! Dass ich mich schlafen lege.

Nicht besser soll es mir ergehn
Als wie geschehn
Den Vätern, die erworben
Durch ihren Tod des Lebens Ruch.
Es ist genug! Es sei also gestorben!

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Guillaume Apollinaire (1880 - 1918)

Die Musik von Saint Merry

Es ist der 21. im Monat Mai 1-9-1-3
Die Mittagsstunde liegt wie tot wie gänzlich ausgestorben
Allein die Fliegen millionenfach in ihrer Pracht
Doch da ein Mann ganz ohne Augen Nase Ohren
Der vom Sébasto her in die Rue Aubry-le-Boucher einbiegt
Ein Mann Ah! Ariane
Er bläst die Flöte und die Musik mit ganzer Macht
Nun hält er inne an der Ecke Rue Saint-Martin
Pfeift zu meinem Lied wie ich es grad erfinde
Frauen bleiben bei ihm stehen
Er gibt sein bestes
Als wäre dies ein Coup der Glockenmeute von Saint-Merry das Echo ihr Geläute
Doch da  beendet die Musik ihr Spiel und stürzt wie die Fontäne
Die an der Rue Simon-Le-France zusammenfällt
Worauf auch Saint-Merry verstummt
Nun nimmt der Unbekannte seinen Atem aus der Flöte
Und flotten Schritts der Spuk den Weg quer Markt bis auf die Rue de la Verrerie
Wo er in einer Gruppe von Frauen rasch verschwindet
Die grade jetzt ein Haus verlässt
Die augenblicklich die Straße quert die Augen auf zu dem Verrückten
Die ausgebreiteten Hände die Verse die verführerische Melodie
Er aber füllt mit Gleichmut seine Backen
Er aber bläst sich auf ganz unverschämt

(Auszug, FWM)

 

... am Ende ist es doch wahr, je weniger der Mensch vom Staat erfährt und weiß, die Form sei, wie sie will, um desto freier ist er. Friedrich Hölderlin

OdeHand

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Man sieht den Balken im Auge des anderen, aber nicht das Stroh im eigenen Kopf. (Folksmundt)

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Das Geistige führt eben sein objektives Leben jenseits der uns gegebenen Welt, unabhängig von ihr. Es ist in erster Linie nur für sich selbst da. Dies entspricht seiner innersten Art. In sekundärer Beziehung  erst kommt seine Wirkung auf uns, unter uns in Betracht. Ein Kunstwerk ist nur dann in wahrer Liebe geschaffen, eine edle Tat nur dann richtig getan, wenn dem Autor oder Subjekt der Tat über der Freude des Anteils an jener höheren Welt, die er erlebt, der Ruhm jetzt oder später gänzlich gleichgültig ist. Man muss die Probe aushalten, wenn man sich sagt: „Dieses Werk geht verloren; niemand wird jemals davon etwas erfahren, so wie wir nichts vom Inhalt der Werke wissen, die in der Maya-Schrift oder in den ungeheuren Figuren der Osterinsel auf uns gekommen sind – und dennoch ist im eigentlichen Sinn nichts verloren damit. In der geistigen Welt existiert dieses Werk. Und das fühle ich, das ist es, worum es geht, alles andere mag erfreuliche Nebenwirkung sein, die Hauptsache ist es nicht.“ Das Gute, das auf Robinsons Insel getan wird (auf der Insel eines Robinsons, der nicht gerettet wird, der ohne Echo stirbt), die Wahrheit im Gefängnis, die nie zu eines anderen Menschen Ohr dringt – prüfe dich, ob du überzeugt bist, dass auch dies einsame, irdisch gesprochen: völlig verschwindende Wahre und Gute allen Begleitumständen zum Trotz real bleibt. Hast du diese Überzeugung, so bist du in die geistige Welt eingetreten. Hast du sie nicht, so bist du dieser Welt noch fern. (Max Brod, 1966)

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Unsterblichkeit ist etwas, das man nicht einmal seinem ärgsten Feind wünschen sollte. Selbst das "hohe Alter" klingt bereits nach Verfluchung. Felix Oftmals

Der Abschied

Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug?
   Da wirs taten, warum schröckte, wie Mord, die Tat?
      Ach! wir kennen uns wenig,
         Denn es waltet ein Gott in uns.

Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst,
   Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden
      Schutzgott unserer Liebe,
         Dies, dies Eine vermag ich nicht.

Aber anderen Fehl denket der Menschen Sinn,
   Andern ehernen Dienst übt er und anders recht,
      Und es fodert die Seele
         Tag für Tag der Gebrauch uns ab.

Wohl ich wußt‘ es zuvor. Seit der gewurzelte
   Allentzweiende Haß Götter und Menschen trennt,
      Muß, mit Blut sie zu sühnen,
         Muß der Liebenden Herz vergehn.

Laß mich schweigen! o laß nimmer von nun an mich
   Dieses Tödliche sehn, daß ich im Frieden doch
      Hin ins Einsame ziehe,
         Und noch unser der Abschied sei!

Reich die Schale mir selbst, daß ich des rettenden
   Heiligen Giftes genug, daß ich des Lethetranks
      Mit dir trinke, daß alles
         Haß und Liebe vergessen sei!

Und ein ruhig Gespräch führet uns auf und ab,
   Sinnend, zögernd, doch erinnernd die Schwankenden
      Hier die Stelle des Abschieds,
         Es erwarmet ein Herz in uns,

Staunend seh‘ ich dich an, Stimmen verzaubernd Klang,
   Wie aus ferner Zeit hör‘ ich und zartes Spiel,
      Und befreiet, in Lüfte
         Flieget gleich Engeln das Andre uns auf.

(Friedrich Hölderlin: Der Abschied, Dritte Fassung)

 

 

Der eigene Leidensdünkel ist ein Dünkel unter dem vor allem Andere leiden.

 

Das Angenehme dieser Welt hab' ich genossen,

Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,

April und Mai und Julius sind ferne,

Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne!

(Friedrich Hölderlin)

 

Das Wunder bestätigt das Gewohnte, da

es glaubwürdig ist. Einst bedrohten Drachen

Königreiche, welche zumeist kaum größer waren

als heutzutage einer jener sogenannten Wohnparke.

Heute fühlt sich die Menschheit von "Außerirdischen"

bedroht, welche in der armseligen Phantasie von

Unterhaltungskünstlern nichts Besseres vorhaben, als die

"Welt" zu vernichten. Doch auch in den Ängsten muss man

unterscheiden zwischen irrational und krank. Das

"Meer des kollektiven Unterbewusstseins" ist vergiftet.

Der Drache muss zu den Wundern gezählt

werden, er ist glaubwürdig, der Raub von Prinzessinnen

nicht ungewöhnlich. Die Landung irgendwelcher

Außerirdischen hingegen zwar

nicht sehr wahrscheinlich, aber immerhin möglich - die

Vorstellung der Vernichtung der "Welt" durch

dieselben jedoch bereits Ausdruck von seelischer Erkrankung,

böse und zugleich menschentypisch, so wie Folter,

staatlich geplanter und organisierter Massenmord...

Klement Bochořák

 

Wer kein Daheim hat

der ist fast verloren.

Bedroht von all dem Tosen

behütet uns der Duft der Rosen.

 

Wer kein Daheim hat

wird sich selbst zum Schrecken,

zurück kann er nicht sehn

das Künftige nicht verstehn.

(Übertragen FWM)

 

Klement Bochořák – (1910 – 1981) Dichter und Prosaist, geboren in Kunštát, und zeitlebens Brünner. Er arbeitete als Arbeiter, Beamter und Bibliothekar und war nicht nur ein bescheidener Christ, sondern auch ein Dichter, der die Möglichkeiten, die der offizielle Literaturbetrieb (des kommunistischen Regimes) dem Schriftsteller gab, ebenso verachtete, wie auch eine öffentliche Karriere. Freundschaftlich verkehrte er nur mit von ihm geschätzten Dichtern, wie František Halas und Jan Zahradníček (was sich in seinem Werk auch niedergeschlagen hat).

 

 

Guillaume Apollinaire (1880 - 1918)

 

Und du mein Herz schlägst unverzagt

Ich lieg voll Schwermut auf der Wacht

den Tod vor Augen und die Nacht

 

(FWM)

 

ICH

Die Ehre hat mich nie gesucht;
Sie hätte mich auch nie gefunden.
Wählt man in zugezählten Stunden,
ein prächtig Federkleid zur Flucht?

Auch Schätze hab ich nie begehrt.
Was hilft es sie auf kurzen Wegen
für  Diebe mehr als sich zu hegen,
wo man das wenigste verzehrt?

Wie lange währts, so bin ich hin,
und einer Nachwelt untern Füßen?
Was braucht sie wen sie tritt zu wissen?
Weiß ich nur wer ich bin.

GOTTHOLD EPHRAIM LESSING

Ivan Blatný

Der tote Hund

Nicht wahr, du weißt noch wie es war,
die Nase dicht am Boden lang,
weil dort der Duft am stärksten war,
und sie wie von Gedichten trank.

Nicht wahr, auch ich, der ich noch lebe
vermag dein Glück zu ahnen,
wenn ich vor Trauer bebe,
auf Halbmast alle Fahnen.

Nicht wahr, nur schade dass der Duft
der Straßen freier Spur
so flüchtig in der Luft
nach noch so langer Tour.

(aus Paní Jitřenka, 1940; FWM 2016)

 

Guillaume Apollinaire

Henri Rousseau

Dreißig Jahr tagtäglich kontrolliert
Und Schmuggelware konfisziert
Mit wachem Blick für Schiebergut
Bracht‘ ich’s dann zum Gefreitenhut.
Einstmals war‘s in der 10-Uhr-Bahn
Da saß ein Herr korrekt adrett
Mit gültigem Billet
Doch ich sah nur den Buckel an.

O ferne Zeit! O trübe Bahnstationen!
O grüne Kofferkarren!
4tausend dunkele Zigarren
Vom Gas erhellt mehr schlecht als recht
So eine Reise soll sich schließlich lohnen!
Nun mein Bericht war auch nicht schlecht.
Fini. Passé. Gauguin Cézanne die neuen Namen
Die nicht vom Zoll zu mir her kamen.

Wenn man mich auch den Zöllner nennt
Ich bin ein Maler den man kennt.
Doch manchmal öffnen so Gespenster
Ganz weit mir die Gedächtnisfenster
Dann sieht auch jener Herr mir lachend zu
Ich hab den Spott er seine Ruh
So rächt‘ des Malers neue Weise
Des Zöllners Streich am Schluss der Reise.

(FWM)

 

Trost

Schöne Geliebte wer wird denn gleich im Sterben liegen
wegen einem Regentag
schau nur diese Eintagsfliegen
ganz egal ob man sie mag
sie kennen nichts als Regen Regen
und klagen nicht deswegen

(FWM nach Jaroslav Seifert )

 

Der Wert wird durch die Ziffer, das Tragische durch den Unfall, das Schicksal durch die Statistik, der Held durch den Verbrecher, der Fürst durch den Bonzen des demokratischen Mobs, der selbstlose Helfer durch den Polizisten, Gott durch "das Gute", der Dichter durch den Journalisten ersetzt. Man verschweige seine Erinnerungen, man bleibe klüger unter sich, will sagen allein, wenn man nicht so oder anders in schlechte Gesellschaft geraten will. Ein Leben in Gesellschaft heißt, seine Seele aufs Spiel setzen. (29. 8. 2018)

 

* * *

Wie leicht zerbricht, schmal wie ein Band,
der steile Steig zur Poesie.
Hier aber hält die Hand,
die mich nicht hält, wenn ich sie flieh.

Sie wird nie schwach, hält keine Lügen.
Wie immer sich das Blatt auch wendet,
wie immer auch die Nächte trügen,
sie webt das Licht das sie beendet.

(1939/2019, nach einem Gedicht von Ivan Blatný)

 

Estnisches Lied

Mulle, mulle kommt ihr Gänschen
      Mulle, mulle kommt zu mir
O wie weit ist auszuholen
      O so weit ist auszuholen
Bis fernab in ferne Zeiten
      Weit so weit in ferne Zeit
Von den frühen Zeiten hört nun
      Hört nun von der frühen Zeit
Von den Sagen zu erzählen
      Die Legenden herzurufen
Setzt euch her zu meinen Füßen
      Rund ums Feuer setzt euch her
Ich will nun von einst berichten
      Was einst war will sie berichten:

Einstmals kam der Feuervogel
      Vogel, Vogel, Feuervogel
             Vogel der viel Furcht verbreitet
Selbst die Meise sucht das Weite
      Und die Amsel flieht ins Weite
Wald und Flur sind ausgestorben
      Wer zu fliehen mag der fliehet
             Stumm sind die die bleiben müssen
                   Starr und stumm wer bleiben muss
Alle haben längst begriffen
      Selbst die Trägen hat‘s ergriffen
Eilig heißt es heimwärts eilen
      Eilig, eilig, sich verbergen:

„Meine blauen Schwestern meine
      Meine Lieben könnt ihrs spüren?
             Könnt ihr riechen das Verhängnis?
Eilig, eilig, kein Verzagen
      Jetzt ist keine Zeit für Klagen
             Jetzt heißt’s keine Zeit verlieren
Unser Häuschen zu erreichen
      Unsre Häuschen zu erreichen
Weil uns sonst der Vogel frisst
Weil uns sonst sein Magen schluckt
Dass auf immer wir verschwinden
Nie mehr an das Morgen finden
Eile, eile, keine Weile,
      keine Weile heißt’s im Liede
             Denn wer weilt braucht nie mehr Eile
Wie die alten Frauen sagen
             Wie es uns die Sagen klagen
Wie man in den Städten singt
      Wie man auf dem Lande summt.
Trauer lässt mein Blut gefrieren
      Starr von Trauer klingt ihr Lied
Viele Seelchen war’n zu hüten
      Groß war ihre Gänschenherde
Doch wohin, wohin sind sie
      Denn seither sind sie verschwunden
Frag mich dieses immer wieder
      Immer wieder immer wieder
Streifen jetzt durch andre Breiten
      Unerreichbar fern‘re Weiten
Also lasst uns weiter hören
      Lasst uns künden viele Mal:

„Junge Mädchen sind wie Lieder
Die erklingen voller Unschuld,
Gehen sie durch schwarze Sümpfe
      Noch so schwarz die Modersümpfe
Leuchten ihre weißen Strümpfe“
Hört man oft die Alte sagen
      Und der Alte nickt dazu
             Und die Alten nicken weise
                   Nicken ihren Senf dazu
Viele Blätter sind verflogen
      Seither ist so viel verflogen
            Gold’ne Blätter Telegrafen
Gold‘ne Federn Gänseschwingen
             Mütter wussten einstmals vieles
                   Mütter waren einstmals weise
Alle Männer hier im Kreise
      Selbst die Greise stimmen zu
Selbst die sich in Zweifel hüllen
      Selbst die sich so gern verbergen:

Einstmals kam zu mir die Nachricht
      Einstmals kam zu ihr die Botschaft
Einstmals lud man mich hereinzutreten
      Und man bot mir weiche Polster
Polster um mich drauf zu setzen
      Kissen um drauf Platz zu nehmen
Prall gefüllt mit Gänsefedern
      Prall gefüllt mit weißen Federn
Dies traf mich mit tausend Speeren
      Wie ein Speer traf dies ihr Herz
Und man gab mir Fleisch zu essen
      Und man reichte Gänsefleisch
Unheil kroch aus allen Ritzen
      Zweifel bringen sie zum Schwitzen
Und errötend hoch errötend
      Ganz blutrot ihr Angesicht:

Fliehend tragen mich die Füße
      Rasch eilt sie zum nahen Meer
Auf dem Strand und auf den Wellen
      Und der Strand glich tausend Quellen
Überall quillt rotes Blut
      Überall ganz  rot von Blut
Nichts als roter Schaum zu sehen
      Nichts als blutiger Schaum zu sehen
Rot den Stier zum Rasen reizend
      Zornesröte reizt den Stier
Mehr und groß gleich einer Insel
      Groß und größer weit und breit
Tropfen tropfend nicht zu halten
      Wie aus einem Wasserhahn
Plötzlich wuchsen viele Zweige
      Zweige wie fürs Eichhörnchen
Wie von Knochen wie von Vögeln
      Schien das dichte Baumgeäst
Mittendrinnen Wundervögel
      Wundervögel bunt und singend
So ein Wald voll bunter Vögel
      So ein Wald voll Wundervögel
             Wunderbunte Wundervögel
Doch manchmal scheint es zu blitzen
      Doch manchmal sieht man es weiß
            Zwischen all dem Jubel blitzen.

(FWM)

 

 

Postkarte von Dr. Wundertäter.

Nur soweit der Genius im Aktus der künstlerischen Zeugung mit jenem Urkünstler der Welt verschmilzt, weiß er etwas über das ewige Wesen der Kunst; denn in jenem Zustande ist er, wunderbarerweise, dem unheimlichen Bild des Märchens gleich, das die Augen drehn und sich selber anschaun kann; jetzt ist er zugleich Subjekt und Objekt, zugleich Dichter, Schauspieler und Zuschauer.

Friedrich Nietzsche, Die Geburt der Tragödie

***

Wenn ich mich selbst danach befragen würde, ob es Dichter gibt, zu denen ich Vertrauen habe und die mir vertrauen könnten, dann könnte ich reinen Herzens antworten: Friedrich Hölderlin, Friedrich Nietzsche und Ivan Blatný ... Die Sprache singt. Jedes Wort gibt das nächste Wort. Der Dichter Friedrich Hölderlin, verlassen von denen, denen er vertraute, erhielt Vertrauen und Fürsorge von sogenannten einfachen Menschen, als er ein derartig edles Geschenk vermutlich nicht mehr erwartet hatte. Friedrich Nietzsche lebte und starb ziemlich einsam, fernab der "Welt", verehrt und behütet von seinem treuen Freund Peter Gast und seiner Schwester Elisabeth ... die "Freunde und Bewunderer" stellten sich erst ein, als er längst gestorben war und sich dieser edle Name gefahrlos wie ein Edelweiß an jedes Oktoberfesthütchen stecken ließ ... Menschen, die kaum mehr als seinen Namen gelesen haben dürften, stolzieren seither durch das geistige Flachland, gebetsformelartig verfälschte beziehungsweise frei erfundene Zitate, welche angeblich aus seinen Werken stammen, herumposaunend ... Ivan Blatný lebte 40 Jahre in einer völlig fremden Kultur. Niemand war eigentlich da in seiner eigenen Sprache. Und genau dort, in dieser Einsamkeit und Mittellosigkeit, einer "Armut" die all die asketischen Wohlstandsintellektuellen vermutlich vor Entsetzen aufjuchzen lassen, erschuf er dieses Wunderwerk der Poesie ... Vor diesen drei Dichtern verneige ich mich in Gedanken dankbar und demütig. Allen drei Dichtern wird Wahn, Wahnsinn zugeschrieben. Es scheint, als wäre es dieses Etikett aus der Nippessammlung des Bürgers, welches diese drei "verbindet" ... Wer nicht verrückt danach ist, zu uns zu gehören, der muss verrückt sein... Was ihnen tatsächlich gemeinsam ist, dies ist die Tatsache, dass keiner von ihnen sich je einer Obrigkeit angebiedert, ja angedient hat, ebensowenig wie deren Untertanen ... Die "Welt" ist ohne Belang, "Erfolg", "Anerkennung" - das fade Gebäck bedauernswerter Geschöpfe ... Einzig, was in der Phantasie existiert, existiert tatsächlich – lebt, einzigartig, universal, unsterblich. "Die Gesellschaften werden von Gefühlsbewegern, nicht von Ideenbewegern geführt." Fernando Pessoa.

Fortunes Super-GAU (Größtmögliches Ansehensunbehagen): Als "einer von uns" angesehen werden. (1123)

In der Wirklichkeit des Nützlichen sind Kunst und Ruinen Exoten, lebensuntauglich, etwas Außerhalb-des-Jetzt, belächelt, nicht ernst genommen, verachtet, fremd, eben zu nichts nütze ... bestaunt und beneidet und umschlichen vom Normalmenschen auf der Suche nach einem Preisschild ... O, wie gerne würde der Normalsterbliche den Kassenbereich verlassen, um einfach so auf irgendwas in der Sonne zu sitzen, sehnsüchtig auf ein Wort wartend, das ein Gott oder ein Engel an ihn richtet ... O, wie sehr sehnt er sich danach ... Doch Engel scheinen sich in Ruinen heimisch zu fühlen, und einzig an den Künstler von Zeit zu Zeit das Wort zu richten ... Weder Kunst noch Ruinen sind zu etwas nütze. Kunst, die Geld und "Ehren" einbringt ist Kunstgewerbe, Ruinen, die bewohnt werden können sind ebenfalls Täuschungen ... Beides sind Waren, sowohl das Eine wie das Andere sind nicht das, was zungenfertige Verkäufer von ihnen behaupten ... so wie der Schmierenkomödiant niemals Hamlet oder Macbeth ist, sondern eben immer nur ein Vertreter des Nützlichen, mit Feierabend, Urlaub- und Rentenanspruch ... Ifflandring und den Blähungen des Publikums ... (712)

 

Friedrich Hölderlin

An die klugen Ratgeber

Ich sollte nicht im Lebensfelde ringen,
Solang mein Herz nach höchster Schöne strebt,
Ich soll mein Schwanenlied am Grabe singen,
Wo ihr so gern lebendig uns begräbt?
O! schonet mein und laßt das rege Streben,
Bis seine Flut ins fernste Meer sich stürzt,
Laßt immerhin, ihr Ärzte, laßt mich leben,
Solang die Parze nicht die Bahn verkürzt.

Des Weins Gewächs verschmäht die kühlen Tale,
Hesperiens beglückter Garten bringt
Die goldnen Früchte nur im heißen Strahle,
Der, wie ein Pfeil, ins Herz der Erde dringt;
Was warnt ihr dann, wenn stolz und ungeschändet
Des Menschen Herz von kühnem Zorn entbrennt,
Was nimmt ihr ihm, der nur im Kampf vollendet,
Ihr Weichlinge, sein glühend Element?

Er hat das Schwert zum Spiele nicht genommen,
Der Richter, der die alte Nacht verdammt,
Er ist zum Schlafe nicht herabgekommen,
Der reine Geist, der aus dem Aether stammt;
Er strahlt heran, er schröckt, wie Meteore,
Befreit und bändigt, ohne Ruh' und Sold,
Bis, wiederkehrend durch des Himmels Tore,
Sein Kämpferwagen im Triumphe rollt.

Und ihr, ihr wollt des Rächers Arme lähmen,
Dem Geiste, der mit Götterrecht gebeut,
Bedeutet ihr, sich knechtisch zu bequemen,
Nach eures Pöbels Unerbittlichkeit?
Das Irrhaus wählt ihr euch zum Tribunale,
Dem soll der Herrliche sich unterziehn,
Den Gott in uns, den macht ihr zum Skandale,
Und setzt den Wurm zum König über ihn. -

Sonst ward der Schwärmer doch ans Kreuz geschlagen,
Und oft in edlem Löwengrimme rang
Der Mensch an donnernden Entscheidungstagen,
Bis Glück und Wut das kühne Recht bezwang;
Ach! wie die Sonne, sank zur Ruhe nieder,
Wer unter Kampf ein herrlich Werk begann,
Er sank und morgenrötlich hub er wieder
In seinen Lieblingen zu leuchten an.

Jetzt blüht die neue Kunst, das Herz zu morden,
Zum Todesdolch in meuchlerischer Hand
Ist nun der Rat des klugen Manns geworden,
Und furchtbar, wie ein Scherge, der Verstand;
Bekehrt von euch zu feiger Ruhe, findet
Der Geist der Jünglinge sein schmählich Grab,
Ach! ruhmlos in die Nebelnächte schwindet
Aus heitrer Luft manch schöner Stern hinab.

Umsonst, wenn auch der Geister Erste fallen,
Die starken Tugenden, wie Wachs, vergehn,
Das Schöne muß aus diesen Kämpfen allen,
Aus dieser Nacht der Tage Tag entstehn;
Begräbt sie nur, ihr Toten, eure Toten!
Indes ihr noch die Leichenfackel hält,
Geschiehet schon, wie unser Herz geboten,
Bricht schon herein die neue beßre Welt.

Werner Bergengruen

Die endlose Nacht

Nacht für Nacht, bis der Frühwind
den Fenstervorhang gebläht,
lagen wir schlaflos und haben
nach schmächtiger Hoffnung gespäht.
Aber die Nacht nahm kein Ende.
Kein Hahn hat zum Morgen gekräht
als der eine, der anzeigt,
wie Treue die Treue verrät.

 

Ferne Hoffnung

Vor geschwärzten Türen winken
lange Gräser, braun und bleich.
Hingeschleppte Sohlen sinken
Schritt um Schritt in Schuttbereich.

Ratten huschen durch die Gassen,
Grille geigt im Hausgestein.
Was die Sichel nachgelassen,
wird ein Volk von Büßern sein.

Ach, vielleicht nur in den Lenden
e i n e s  Knaben schläft ein Kind.
Und es wird den Gang vollenden,
wenn wir längst zerfallen sind.

Die Unsichtbaren

Rüste abendlich die Schale,
schütte Milch und brocke Brot
dem geheimen Volk zum Mahle.
Geht es, ist die Hausung tot.

Wiege hütet es und Windel
und im Keller Kohl und Wein.
Jeder Stein und jede Schindel
will von ihm bezeichnet sein.

Horche nicht nach ihren Schritten,
geh sie nicht mit Worten an.
Niemals sind sie zu erbitten,
frei ist Gabe, Spruch und Bann.

Manchmal wie ein Mückenschatten
streift es winzig dein Gesicht,
manchmal zwischen Stroh und Latten
blitzt und lisch ein schmales Licht …

Sie bewahren, sie bescheren
deinem Salz die heilge Kraft,
kochen in den Gartenbeeren
prall den sonnensüßen Saft.

In der grünen Flut der Bäume
zählen sie getreu das Laub,
streun in deiner Kinder Träume
Mondenkräuter, Sternenstaub.

Segnen Lust und Tränenfließen,
Speise, Atem, Schlaf und Trank,
auch das letzte Augenschließen,
- ohne Bitte, ohne Dank.

Dem geheimen Volk zum Mahle
schütte Milch und brocke Brot.
Rüste abendlich die Schale
und verletze kein Gebot.

Und so wird dir alles werden,
dessen wir bedürftig sind:
Tau des Himmels, Fett der Erden,
bis auf Kind und Kindeskind.

 

 

 

Werner Bergengruen

Der Schweiger

Die kleinen Herren folgen nahen Zielen,
nur ihren Blicken liegen sie im Weiten.
Erregte, reden sie von Ewigkeiten
und türmen Bauten wie zu Kinderspielen.

Noch im Befehlen erbetteln sie der Vielen
verzückten Zuruf für geringe Zeiten.
Als wüssten sie, dass sie geschwind vergleiten,
so hasten sie und zerren an den Sielen.

Du wirst, ein Schweiger, vor die Lauten treten,
ein steinern Riesenbild aus Vätertagen.
Gesenkten Haupts wirst du unhörbar beten.

Dann wirst den Blick du langsam aufwärts schlagen,
und wenn die Herrn wie Dunst vor dir verwehten,
wirst du das eine Wort, das neue, sagen.

 

Die letzte Epiphanie

Ich  hatte dies Land in mein Herz genommen.
Ich habe ihm Boten um Boten gesandt.
In vielen Gestalten bin ich gekommen.
Ihr aber habt mich in keiner erkannt.

Ich klopfte bei Nacht, ein bleicher Hebräer,
ein Flüchtling, gejagt, mit zerrissenen Schuhn.
Ihr riefet dem Schergen, ihr winktet dem Späher
und meintet noch Gott einen Dienst zu tun.

Ich kam als zitternde geistesgeschwächte
Greisin mit stummem Angstgeschrei.
Ihr aber spracht vom Zukunftsgeschlechte
und nur meine Asche gabt ihr frei.

Verwaister Knabe auf östlichen Flächen,
ich fiel euch zu Füßen und flehte um Brot.
Ihr aber scheutet ein künftiges Rächen,
ihr zucktet die Achseln und gabt mir den Tod.

Ich kam als Gefangner, als Tageslöhner,
verschleppt und verkauft, von der Peitsche zerfetzt.
Ihr wandtet den Blick von dem struppigen Fröner.
Nun komm ich als Richter. Erkennt ihr mich jetzt?

 

 

Das Dauernde

Erblosen Todes sterben die Tyrannen,
Tribunen zeugen nicht.
Und die der Tausende Gehör gewannen,
gewannen sich Gericht.

Im bleichen Licht der fieberheißen Lampe
steht weiß der Komödiant.
Sein Auge flackt, er neigt sich an der Rampe
und reckt verzückt die Hand.

Er kränzt sich unter dem Geschrei der Menge
mit geil geschossnem Kraut.
- Der Acker singt die alte Preisgesänge
getreulich ohne Laut.

Der Herr und Knecht der selbstgeglaubten Lüge
Erhitzt sich am Gewühl.
- Der Born im mütterlichen Weltgefüge
rauscht klar und keusch und kühl.

Der Pöbel brüllt, Fanfaren heulen schrille,
und Wimpel blähn sich groß.
- Das Trächtige erfüllt sich in der Stille
und tief im dunklen Schoß.

Wie wollen vor dem Abgrund sie bestehen,
die schäumend, fort und fort
in tausendfachem Hin- und Wiederdrehen
gebuhlt ums hohle Wort?

Und wo des Zorns geschwollene Dämonen
den Weinberg und den Hain,
das Fruchtgelände und den Herd bewohnen,
wie soll die Saat gedeihn?

O giergehetzte Rufer nach dem Beile,
Aufspürer alter Schuld –
Nur das Vergängliche kennt Hass und Eile.
Die Dauer hat Geduld.

Am Himmel, wenn Gewölk und Dunst zerrannen,
steht groß das alte Licht.
Erblosen Todes sterben die Tyrannen.
Tribunen zeugen nicht.

 

 
Daten sind Fiktionen in der Zeit. Fernando Pessoa

Ein Reformator ist jemand, der die Menge verändern, verbessern, aufheben, will. Dies aber lässt ihn zum Märtyrer werden. Und doch ist es genau dies, was unter Reformieren zu verstehen ist. Und hier sei es wiederholt, hier liegt der Anfang des Martyriums. Denn was ist es schon, von der Regierung verfolgt zu werden, gegen dies, jede Stunde des Tages von Abertausenden, Abermillionen verfolgt zu werden. Gegen dies vermag einen keine Macht der Welt zu schützen.

Søren Kierkegaard Entweder - Oder

 

Freundschaft? Der Kinoregisseur Melville hat einmal auf eine diesbezügliche Frage geantwortet, ein Freund ist jemand, den man nachts um 3 anrufen kann, um ihn zu bitten seinen .38er einzustecken und schnellstens zu kommen, und der dann kommt, ohne Fragen zu stellen. Wo gibt’s das heute noch, fragt er seinerseits zurück. Herman Melville, der Autor des Moby Dick, beschreibt so eine Freundschaft in seinem Roman. Nun stellen Sie sich an das Ufer des Mainstream und schauen dem Treiben auf selbigem zu. Ein nicht enden wollendes Gewimmel und Gewusel. Vergnügungsdampfer noch und noch, alle ausgebucht. Drumherum eifrige Gestalten in solchen Überlebenspaddelbooten, kostümiert wie Rummelboxer, mit Physiognomien die eher an schwule Kassierer in irgendeiner Sparkassenfiliale denken lassen. Eifrig paddelnd, eifrig zappelnd, ohne wirklich von der Stelle zu kommen. Überhaupt alles sehr statisch, trotz des Gewusels, trotz des Gezappels, so ein Hamsterradeifer. Jeder gegen jeden. Jeder mit jedem. Für Gott ist da kein Platz mehr.  Da glauben Sie, einen Menschen halbwegs gut zu kennen, nennen ihn Ihren Freund, finden ihn also sympathisch, seit vielen Jahren, und plötzlich bekommt er so ein Bundesverdienstkreuz oder eine ähnliche Peinlichkeit, und schon sind da irgendwelche Arschlöcher, ebenso bedeutend, ebenso peinlich, schütteln ihm die Hand, klopfen ihm auf die Schulter, nötigem ihm das Du auf und beglückwünschen ihn dazu, nun einer von ihnen zu sein, und plötzlich ist aus ihrem Freund, aus Ihrem netten Bekannten, ein größenwahnsinniger Idiot geworden, der glaubt, er wäre tatsächlich außergewöhnlich intelligent und alle Welt würde sich von nun an danach verzehren, auch noch sein blödsinnigstes Geschwafel bedeutend und lehrreich zu finden, würde nicht einmal aufs Klo gehen können, ohne zuvor seine Ansichten dazu eingeholt zu haben. Sie erwähnen, nur so nebenher, dass sie beim Krämer waren, sofort sprudelt er alle Plattheiten heraus, die ihm zum Einkauf von Brot und Kartoffeln grad in den Sinn kommen, einschließlich aller Schnäppchen und Sonderangebote und der Vorzüge, die der 40 km entfernte Baumarkt gegenüber dem örtlichen Bäcker hat. Oder Sie erwähnen, dass Sie jemandem in Köln eine Geburtstagskarte geschickt haben. Sofort rattert er, gewichtig wie das Maschinengewehr Gottes, los: Oh, ja, der Kölner Dom, das berühmte Ode Kolonie, die Köllschen Sängerknaben und so fort. Ganz zu schweigen von all diesen schriftstellernden Frauenzimmern, all diesen quietschenden und quakenden quasselnden andachtsvoll ihr Pferd tätschelnden kuhäugigen Weibsbildern, die noch attraktiv genug sind, um mit irgendeinem senilen Knacker, der mit halbzugeknöpftem Hosenschlitz auf irgendeinem Präsidentensessel seine Wichtigkeit betrachten lässt, ins Bett zu gehen, bis sie dann zur Belohnung endlich irgendwann irgendeinen dieser sogenannten Kunstpreise zugesteckt bekommen oder zumindest eine Anstellung beim Rundfunk oder beim Fernsehen, wo sie dann einem Menschen wie mir die Inanspruchnahme des Rundfunkprogramms endgültig verekeln werden. Nun gut, also diese plappernden Frauenzimmer, kaum haben sie ihr Geld bekommen, schon sind sie sicher, glauben allen Ernstes, in ihren hohlen Köpfen wäre tatsächlich irgendein Inhalt, glauben allen Ernstes, dass dies außer ihnen auch noch andere glauben. Man stelle sich das mal vor. Glauben allen Ernstes, sie wären Künstlerinnen, um Gottes Willen, vergessen Sie bloß nicht dieses innen!, doof wie Stulle, lautet die volkstümliche Zusammenfassung, aber innen! Lassen einen in jedem dritten Satz wissen, sie seien Künstlerinnen. Mit Verlaub, ich habe derartiges schon mehrmals über mich ergehen lassen müssen. Es ist zum Kotzen. Dann aber, und das ist beinahe noch grauenhafter, kann es vorkommen, dass die vorhin erwähnte Bekanntschaft sich das Ganze nur einbildet, aus dem Nichts heraus, aus heiterem Himmel, über Nacht, was natürlich alles Unfug ist, da sich derartige Erkrankungen des Gehirns über lange Zeit ankündigen und einfach nur lange, sehr lange, solange wie möglich, also eigentlich zu lange, ignoriert werden, weil dies schließlich bequemer ist, getreu der Maxime, der Herrgott wird’s schon richten, nur dass der Herrgott zumeist gar keine Anstalten macht, irgendwas zu richten, sondern seinerseits abzuwarten scheint, was denn sein Lieblingsgeschöpf zu unternehmen gedenkt. Was ich sagen will, dieser nette Bekannte bildet sich all diese Bedeutung nur ein, all diese Ehrungen sind einzig Wunschdenken, Hoffen, all die Intelligenz, all diese Leute, die sich darüber freuen, dass er einer von ihnen ist. Illusion. Die meisten Menschen sehen bei jeder sich bietenden Gelegenheit bewundernd in den Spiegel, würden aber auf der Straße an sich selbst wie an einem gänzlich Fremden vorbei gehen. Was ja nicht falsch ist, da die meisten Menschen sich gänzlich fremd sind. So ist es in Wahrheit, nicht einmal diese Meinesgleichen hat er also in der Hinterhand, nur Sie, einen hilflosen Trottel, vor dem er sich aufspielen kann, und dann seinen Wahn natürlich, die Hauptperson. Kein Arzt weit und breit, der ihm irgendwelche Tabletten verabreicht, kein Pfleger weit und breit, der ihm gut zuredet und mit einem kühlen Waschlappen die heiße Stirn abwischt, nur der Größenwahn. Also erhitzt sich dieses Bedeutungsirresein gänzlich ungehindert, brennt auch noch den letzten Rest eines Hemmschwellenrestes zu Asche. Was bleibt Ihnen da anderes, als Flucht, frage ich Sie. Aber wohin, frage ich Sie. Das ist doch wie in dieser Geschichte vom Igel und Hasen. Wohin auch immer Sie zu entkommen versuchen – ein größenwahnsinniger Zeitgenosse erwartet Sie bereits. Wenigstens einer. Meistens jedoch ganze Rudel. Rudelmassen. Wohin nun? In sich selbst fliehen? Die Zugbrücke hoch? Die Fensterläden schließen? Die Ohren verstopfen? Sich selbst gut zureden bis man endlich wieder zur Ruhe kommt? Nur, was macht einer, der keine Burg hat? Keine Zugbrücke? Keine Fensterläden? Der wegen der verstopften Ohren das eigene Wort nicht versteht, wie es so salopp heißt. Jetzt wäre ein Freund willkommen.

Auch daran kann man einen Freund erkennen, dass er einen helfend begleitet, wenn man am Abend mit einer großen Tasche loszieht, hoffend, irgendwo Kohlen oder anderes Brennmaterial zu finden, um für die Nacht den Ofen warm zu bekommen.

Eigentlich ist es unmöglich, ein Gedicht für jemanden zu schreiben, welches außerdem noch von jemandem verstanden wird. Eigentlich schreibt man ein Gedicht, weil man es schreiben muss - muss! - und überlässt es dann seinem Schicksal, also den Göttern. Irgendwann wird es von jemandem gefunden werden, der es "auf den ersten Blick" als sein Gedicht erkennt. Letztendlich ist es so mit allem. Machen wir uns nichts vor. Wer zu wissen glaubt, weiß nichts, und, was betrüblich ist, wird nie wissen.

Glücklich der, der sich selbst zum Freund hat.

Niemand beneide den, der sich selbst zu Munde redet...

... und man meide den, den es erfreut, dass ihm andere zu Munde reden.

Wer die Menschheit bessern will, sollte erst einmal bei sich selbst einen diesbezüglichen Versuch unternehmen. Nicht nur die anderen sind Nachbarn und eine Plage für mich. Auch ich bin ein Nachbar und eine Plage - für die anderen. Der Reisende, der eine fremde Stadt betritt und über die Touristen klagt, vergisst, dass er selbst Tourist ist ... Letztendlich sind wir alle Touristen. Denn vor der Unendlichkeit ein Dasein von allerhöchstens hundert Jahren bodenständig zu nennen, dies scheint mir doch reichlich lächerlich ... vor allem bei jenen, die zuvor die Existenz der Götter als absurd bezeichnet haben. (4013)

Es ist irgendetwas seltsam am Älter werden, obwohl ich jetzt beinahe siebzig bin, frage ich 3zigjährige, oder 4zigjährige um Rat, höre mir ihre Ansichten an, revidiere meine Ansichten, die ich beschämt als unüberlegt und voreilig und ungerecht empfinde, und bedanke mich und entschuldige mich obendrein. Eigentlich doch nicht ungewöhnlich, werden Sie antworten. Gewiss, der jüngere dem älteren gegenüber, aber umgekehrt? Vielleicht liegt es daran, dass ich hauptsächlich Selbstgespräche führe, in denen natürlich Alter keine Rolle spielt, da ich und die anderen Iche ja gleich alt sind, und ich mir mir eben auch aufmerksam zu höre? Ja, vielleicht ... (5911)

Wo alles gesagt ist: Fernando Pessoa, Briefe an die Braut, Brief 36, vom 29.11.1920, p. 154 bis 158. Ammann Verlag 1995.

Violla Verde (1981 - 2017)

Alle meine Illusionen

Zur Engelsstunde sitz ich hier,
Im Herbst, der Fluss gleicht dem Saphir,
Von irgendwo komm‘ Lyraklänge …
Ein Licht aus der Spitalhausenge …

Der Fluss streckt langsam sich nach vorn,
Breit wie mein Schmerz, doch ohne Zorn …
Ein Fischchen springt, fast wie verrückt,
Ein Windchen weht, das mich entzückt …

O Sonne, komm nun rasch an Land,
O Welle spül‘ zu Gold den Strand,
O Welle wie durch Tuch geseiht …

Ihr Illusionen … lieblich … weich … 
Gold auch ihr … Wie bin ich reich! …
Welch Überfluss … an Wirklichkeit ...

Mein Sehnen

Ihr Abende im Sommer, die Luft von Düften schwer,
Ihr Abende im Sommer, mit Mädchen die euch lachten,
An den Abenden nach den Abendandachten …
Ach ihr Abende am Meer … Ob ich jemals wiederkehr?

O wie ich mich sehne! O Abend in Lissabon!
O heilige Stunde der sinkenden Sonne! …
Rauchige ... singende ... Stunde der Wonne,
Stunde des Schmerzes … In dir bin ich fromm!

Abendschöne Augen, weich wie einst mein Himmelbett,
So warm, so rein, so blau … fast violett …
Dein zärtliches Sehen … dies Sehen macht blind …

Bis die Nacht uns eins werden lässt …
Und deine Hände, zärtlich und fest …
Weben das Leben in Portugals Wind …

 

 

 

Geboren am 16. 1. 1981 in Lissabon, lebt Violla Verde ab Frühjahr 2011 im Wiener Bezirk Meidling, Moosbruggergasse 2 Stiege 32. Wo sie sich am Abend ihres 36. Geburtstags, dem 16. 1. 2017, das Leben nimmt. Sie hinterläßt, neben anderem, 17 Notizbücher in Schulheftformat. Diese Notizbücher enthalten in der Hauptsache etwa 160 handschriftliche, in ihrer Vatersprache Portugiesisch verfasste, ausnahmslos unveröffentlichte, Gedichte.
Der „Stiegen-Gemeinschaft 1970“ vermacht sie ihren Hausrat, einschließlich Mobiliar. Den Städt. Herbergen für Obdachlose Wien vermacht sie ihr Geldvermögen, etwa 13tausend Euro.  Dem Herausgeber schenkt sie ihre Bücher, Tagebücher ... und eben besagte Notizbücher mit ihren Gedichten, davon die überwiegende Mehrzahl in wenigstens fünf Fassungen, die oftmals stark voneinander abweichen, bis hin zum Titel … Saudades - Fado de Viena.

Auf den Wind

Der Wind trillert und jault und wirbelt in Schauern
Mit rauhem Gelächter, wie ein Dementer nur lacht
Mit einem Gelächter, das mein Herz wehe macht …
Mein Herz lacht heut nicht, mein Herz muss heut trauern!

Die Stimme des Windes grollt finster und klagt,
Die Stimme des Windes pfeift spöttisch geziert,
Der Wind höhnt dem Eitlen der ständig verliert,
Der Wind treibt den Narren der dem Winde nachjagt!

Wie schmerzt mich dein Heulen, mein einsamer Freund!
O ja, du bist frei und uneingezäunt …
Niemals zu fangen, allein nur mit dir …

Ich aber, Geliebter, ich weiß deine Pein,
Voll Sehnen nach Liebe … doch immer allein …
Ein Kommen und Gehen … doch niemand bleibt hier!! …

 

Auf Knien

Gepriesen die Mutter die ihn uns schenkte
Gepriesen die Milch die ihn aufwachsen ließ
Gepriesen der Hauch der ihn einschlafen hieß
Gepriesen die Amme die seinen Lebensweg lenkte!

Gesegnet das Singen, dass ihn erwärmt
Gesegnet der Tag wenn sein Leben erwacht
Gesegnet der Mond der sein Träumen bewacht
Gesegnet die Ruhe wenn alle Welt lärmt!

Erbarmt euch ihr Engel die ihr neben ihm zieht
Erbarmt euch des Menschen der hier vor euch kniet
Bittend mit Inbrunst, vor Liebe verrückt!

Erbarmen für mich, die ihn derart verehrt
Erbarmen mit mir, die ihn über alles  begehrt …
Und segnet den Mund, dessen Kuss mich verzückt!!

 

Das Buch

Dies wundervolle Buch nimmt mich gefangen,
Ich fühl mich wachsen und befreit,
Es gibt mir Hoffnung und Geleit,
Mit ihm kann ich die Welt erlangen.

Was für ein Buch, das wohl erdacht,
Bestimmt dazu, mich zu behüten
In diesem Toben, diesem Wüten,
Dass es den Traum in mir bewacht.

Wie finster auch - die Dichter sehen!
Wie sanft die Gier - sie widerstehen!
Poesia heißt ihr Reich!

Poesie - den Göttern gleich!
Wie schön ihr Ton … wie klar der Klang!
O, hebt mich auf … hier bin ich krank.

 

Saudade

Das Leben ist trist? Das Dasein ist dumm? …
„Pfeif auf das Mühen! Verschließe dein Ohr!“?
Mich tragen heut Flügel zum Himmel empor.
Ringsum nur Licht, all das Leiden bleibt stumm!

Ohne Blick für das Heute umher?
„Was soll das heißen? … Der Alltag egal? …
Die Liebe, der Kummer, die Sorgen, die Qual?
Alles nur Spaß? Wie bei den Nixen im Meer?! …“

Sind mir denn die anderen tatsächlich so gleich?!
Lebe ich womöglich im Märchenreich?
Oder ist dies nur mein Überdruss?

Still strömt das Leben … bis ans Ende der Zeit …
Ein breiter Fluss, die Ufer weit …
Schwer fließt der Schmerz … leicht der Genuss…

Vergebliches Wünschen

Ach wär ich der Fluss zum Meer in der Ferne,
Stark strömend, mitreißend, mächtig und breit …
Ganz ohne Gedanken wär ich auch gerne,
Wie ein Stein widerstehend der Zeit.

Ach wär ich die Sonne, ihr heilendes Licht,
Ach wär ich ein Baum, unverschnitten und dicht,
In der Welt ohne Zweck und dem Tod ohne Sinn,
Nähm‘ brav und bescheiden mein Leben ich hin!

Ich hörte das Meer, wie es klagte … und klagt …
Wie jener der eifrig das Paternoster aufsagt,
Dass Gott alle schütze … die an ihn glauben!

Ich seh wie die Sonne weicht vor der Nacht,
Da endet ihr Hochmut, hier endet die Macht!
Und die Steine? … Die beschmutzen die Tauben! …

Ich

Ich bin die die die Welt durchstreift bis sie völlig verwirrt,
Ich bin die die den Süden sucht und sich im Norden verirrt,
Bin die Schwester des Traums, von allem und jeden,
Bin die der das Kreuz … und die Schmerzen gegeben …

Die Schatten des Nebels verwehen, verlanden,
Umso bittrer das Leben, doppelt und dreifach,
Und stößt mich brutaler ins Leichenhausfach!
Das schmerzende Herz hat niemand verstanden! …

Ich reise durchs Leben ohne zu sehen herum …
Ich klage, ohne dass mich jemand vernimmt …
Ich jammere, ohne zu wissen warum …

Ich träume von Ihm der mich sich erträumt,
Dieser Jemand der überall nach mir sinnt,
Und doch jedes Mal meine Ankunft versäumt!

Eitelkeit

Mein Traum ist Dichterin zu sein,
Alles sehen, alles wissen,
Vom Jetzt und aller Ewigkeit,
Die ganze Welt niemals vermissen!

Mein Traum der Vers der uns erhellt,
Mich und jedermann beglückt,
Trotz aller Endlichkeit der Welt
Ins Herz eindringt und es entzückt!

Mein Traum  von meinem Leben …
Mein Leben hinzugeben
Mein Leben dem Gedicht

Das Niedrige zu heben
Nicht am Profanen kleben
Wie Schwalben will ich schweben …

Kastell der Trauer

Stolz im Panzer der Verachtung,
Lebe einsam ich im Leid!
Fliehe vor Amors Beachtung …
Niemals dringt hier ein die Zeit!

Kastell der Trauer, eh? … Richtig?
̶  Und man sah mich fragend an –
Mich! Und das Abendlicht verrann …
Nichts und niemand … alles nichtig …

Der Trauer … der Trauer? Warum?
Immer Sehnen … sehnen, warum?
Wann kommt er, wo bleibt er – warum …

Allnächtlich zu leiden – warum?
Das Hoffen, das Beten – warum?
Aus Eisen die Trauer – darum! …

Tortur

Aus der Brust all die Erregung,
Die ganze Wahrheit, licht und klar,
˗  Das ganze Herz ist in Bewegung,
Und etwas Asche auf das Haar! …

Einen Vers wider den Mahr,
Gleich der Bitte um Vergebung,
˗ Da klopft das Herz wild vor Erregung,
O Nichts! Ein Traum, doch wunderbar! …

Den Vögeln gleich stieg mein Gedicht,
Die Engel wägten ihr Gewicht,
Wobei mein Glück gelogen war …

Könnt‘ ich doch reine Verse dichten,
Verse … die selbst Dich aufrichten,
Wie mein Jännermorgen klar!

Stille Tränen

Wenn ich so an früher denke
Als man glücklich schien und sang
Wenn ich mich in mich versenke
Hör ich fast, beinah, den Klang …

Und der Kummer presst die Lippen
Die doch noch im Frühling lachten
Wo im Lüftchen Blättchen wippen
Als mir Engel Liebe brachten …

Nun grüble ich, mein Blick ist leer
Ohne Ziel, wie übers Meer
Die Miene kalt wie Elfenbein.

All die Feuer sind verglüht,
Niemand kümmert mein Gemüt!
Niemand will mein Nächster sein!

Mein großer Schmerz

                                                   An Dich

Wie groß du bist, ich wohn in dir,
Ich leb in dir im Zölibat.
Mein Traum ist schwer, mein Leben fad,
Ich les im Kreuzgang mein Brevier.

O schöner Schmerz, wirst du mir fehlen?
Dein Schatten tanzt im Schattenbogen,
Ein jeder Stein kann hier erzählen,
Kein Zeitensturm macht hier große Wogen …

Mein Leid ist mir mein Kloster. Bereit
Erwarte ich, dass es kasteit …
Erlöse mich! Sing‘ mir dein Lied!
 
In diesem tristen Kloster muss ich kauern,
Hier muss ich beten, klagen, trauern …
Doch niemand hört … doch niemand sieht …

Mein Innerstes

Traurig ist es, jung zu sterben,
Noch nicht einmal ganz aufgeblüht
Seh ich die Blüten sich entfärben
Und herbstlich trübt sich mein Gemüt.

Vom bunten Leben wollt‘ sie melken …
Da bleicht die Hand, beginnt zu welken,
Und auch die Lippen woll’n nur trinken,
Denn durstig sind, die jung hinsinken …

Dem Paradies gilt nun ihr sehnen,
Wo sie sich zwischen Blumen wähnen,
Wo nichts als Schönheit, Lachen, Licht …

Mit dreiundzwanzig stirbt man nicht?
Du scherzt: „Nur Mut, beginne jetzt zu leben!“
Ich leis: „Auch Mut braucht es, jetzt aufzugeben …“

November

Heute überschwemmt mich Trauer!
Und betrübt mich, O Maria!
Winter trommelt an die Mauer …
Hilf, o hilf … O hilf, Maria …

Du Wind, zerzaust, hör‘ mein Gebet,
Mein Herz, mein Herz, im letzten Zug!
Vom Schnee ist‘s weiß und kalt verweht …
Ein Engel sinkt zum letzten Flug …

Stadtschnee … Buße! Doch wofür?
Bußtagwetter! Warum mir?
Kälte weit und breit … wie die Zeit!

O Eis! O Wind! O wie ich zitter!
Alle Worte schmecken bitter,
Allein, allein … o Einsamkeit! …

Kleinigkeiten

                  Für …

Kleinigkeiten! Ich muss lachen,
Kleine Inseln voller Rosen,
Zart und duftig wie Mimosen …
Küsse, die wie Neuschnee krachen.

O Schimären, wir verdanken
Ihnen Träume ohne Schranken,
Nichts und niemand der da ruft
Stopp! Nichts als zarter Sommerduft!

Schon dein Blick macht mich gesund …
Schon dein Duft, und erst dein Mund …
Wie glücklich mir dein Name klingt …

Kleinigkeiten die Maria singt …
Bist du fern, naht mir das Leid …
Aus Kleinigkeiten ist mein Kleid!

Die große Qual

                                 Dem Dichter …

Sein Leben ist nicht das Vergnügen.
Sein Schicksal trägt er Tag und Nacht …
Und nichts, das einen Schatten macht
Kommt er dann irgendwann zum Liegen!

Selbst der Duft der Fliederblüten
Wird zum Schluchzen in der Kehle,
Maria ach, tief in der Seele
Erbarme dich all seiner Mythen!

Auch ich, o Dichter, bin gering
Wie Disteln unterm Schritt der Zeit
Verlacht und voller Traurigkeit.

Des Dichters Leid wird zum Schafott …
Des Dichters Herz ist endlos weit …
Des Dichters Vers erreicht nur Gott! …

Die Blume aus dem Traum

Schön wie der Lenz im Sommerkleide,
Rätselhaft, doch nicht von Dauer,
Zart und fest, gleich wie von Seide,
Auf den Resten einer Mauer.

Verfall, Verfall … Sie leuchtet zart
Als wär die Ewigkeit ihr Eigen
Und will dem Leid ihr Blühen zeigen
Die Hoffnung ist ihr Lebensart …

Ganz ohne Dornen ruht die Blüte
Selbst am Verfall blüht noch die Güte …
Doch wer kann froh sein, ohne dich?

Als sie erblüht in jener Nacht,
Da stieg ich auf mit Engelsmacht
Zum Flug ins große, weite Ich …

Nacht der Sehnsucht

Gemächlich nimmt die Nacht Quartier
Auf einer Erde voller Kummer …
Ach Mondschein, Mondschein leuchte mir
Auf dem Weg zum sanften Schlummer …

Niemand kommt, mit mir zu wagen,
Niemand bringt mir Sterngefunkel …
Finster ist die Nacht der Klagen!
Ach, mich ängstigt all das Dunkel!

Mein Lachen, das ins Schluchzen kippt!
Vielleicht, o Nacht, weil es dich gibt,
Und all die Sehnsucht, die mich lähmt,

Tritt wie der Fluss über die Ufer.
Die Nacht betäubt die Hilferufer …
Wann kommt der Tag, der mich beschämt? …

Der Nebelturm

Einsam war der Weg ins Weite
Der Nebelturm steil ohne Breite …
Doch endlich dort wo’s Weltall scheint
Dort lebt die Dichtung weltvereint.

Wie schön ringsum all die Gesichter
Bekannter und vergess’ner Dichter …
Dort war ich ohne Angst und Enge
Und sang mein Lied in voller Länge,

Von meinem Traum, von Fantasie,
Von allem Bald, von allem Nie …
Und wollt‘ mich mit der Welt versöhnen,

Da hört‘ ich es verzweifelt stöhnen:
„Auch wir, wir suchten einst das Wo und Wie …
Vergebens! Ach, kehr um und flieh …“

Wozu?!

Alles Schall und Rauch und Wind!
Alles Staub, nichts lohnt der Mühe!
Verlogen ist die Morgenfrühe
Und mein Blick von Tränen blind!

Ich möchte so gerne die Liebe anbeten
Wie sie erblüht in den Herzen von allen …
Doch kaum ist sie da … schon sieht man sie fallen
Eben noch duftend … schon wird sie zertreten!

Die zarten Flügel Amors!? … Einfach im Schmutz!
Das wirkliche Leben gewährt keinen Schutz?!
Am Boden zerstört, die Seele wie tot!

Nichts blieb von dem was die Sehnsucht anbot!
Die Küsse der Liebe, die zärtliche Hand …
Nichts als eine Tür … als Bild an der Wand!

Beklommen

Endlos klagen! Sinnlos denken!
Wer kann das zum Schweigen bringen?
Wer kann das in mir bezwingen …
Wild erwürgen und ertränken?!

Nie seid ihr fort! … Oh ihr Gedanken!
Immer fletscht ihr mir die Zähne!
Selbst wenn ich mich sicher wähne
Bringt ihr meine Burg ins Wanken! …

Und niemand züchtigt diese Wut!
Und schon wieder steigt die Flut
Meiner Klagen: „Kommt er bald!? …“

Verzweifelt wie ein Schrei im Wald!
Die Flut, die Flut, die es nicht weiß …
 Ohne Mitleid! Kalt wie Eis…

Die Freundin

Mein Geliebter, glaube mir,
Mir allein kannst du vertrauen,
Wo du auch bist, ich bin bei dir!
So meide all die andern Frauen!

Ich schütze dich vor Schmerz und Leid,
Und wünsch mir nur dein Herz zum Lohn,
All meine Träume sind bereit …
O liebe mich! Nun sag es schon!

Ach küsse mir zuerst die Hände …
Küss sie heiß und ohne Ende …
Die Welt steht Kopf und ändert sich …

O küss mich überall verrückt …
Bis mir die ganze Welt entrückt …
Halt fest, halt fest, behüte mich!

Das schlimme Alter

Klagt die Mutter beim Erwachen,
Kein Lied , nicht mal ein Lachen …
Die vom Leben müde wird nun leiser …
Lasst mich sterben,  haucht sie heiser!

Tag für Tag mit dem Schleier geschmückt
Für den Altar, mystisch verzückt,
Mit Rosen am Morgen die erste zu sein …
Jetzt bin ich die  letzte … welk und allein!

Die Schönheit, die Jugend … fügt sie dann hinzu …
Ganz anders als altern, vergeht das im Nu …
Das schlimme Alter … Der Kopf ist so matt

Dass man nicht mal mehr Erinnerung hat
An diese Sehnsucht tief in der Brust …
An Früher, an Einst, an das Sehnen … nach Lust …

Das verlorene Herz

Die Nachtigall schluchzte die ganze Nacht,
Schrie wie verrückt, wie ohne Verstand.
O Herz dieses Vogels … das Herz in der Hand …
Vielleicht wegen uns, so hab ich gedacht.

Vielleicht hat mein Traum ihr Leiden entfacht,
Der all den Schmerz mit Sehnsucht verband?
Dass sie so sehr litt, als ich dies empfand?
So quält nur die Liebe … mit ihrer Macht.

So viel  Leid … mir flossen die Tränen
O Herz … erhöre dies Sehnen …
Bevor ich verschwimme …

Draußen schrie sie … mit meiner Stimme! …
So war die Nacht … die Welt wie von Sinnen.
Nun ist es still … tief in mir drinnen.

Meine Tragödie

Ich hasse das Leuchten, mich quält jedes Licht,
Die Tage, das Feuer, die Sonnenaufgänge …
Als ob meinem Herzen kein Weg mehr gelänge …
Als ob eine Bestie meine Lebenskraft bricht

Du unnütze Jugend – ach wandere …
Dein Mund der berauschte - beschwindelt, verdummt! …
Dein Mund der einst sang – verkniffen, verstummt! …
Dein küssender Mund – küsst längst eine andere! …

Ich fürchte das Licht, ich fürchte dies Saugen
Des Nichts, die Wahrheit vor Augen
Niemand liebt niemand … niemand liebt mich!

O Nacht,  maßlos, schwarz wie das Alter,
Verrückt wie der seltsame Falter,
Verloren im Licht, kreisend um sich! …

Ohne Ausweg

Du der du mich liebst ahnst nicht
Worauf du dich einlässt bei mir
Ahnst nicht dass der Teufel die Tür
Aufhält hinter meinem Gesicht.

Dies erkennend packt mich die Scham,
Eisig kalt und siedend heiß,
Wie sie nur Gott zu geben weiß …
Plötzlich da … woher sie auch kam.

Unhörbar die Schritte, der Takt
Bis plötzlich der Irrsinn uns packt
Vor Lust, vor Freude zu schrei’n …

Dann die Schmerzen – rettungslos,
Denn mein Schreck ist riesengroß
Da ich seh: ich bin allein!!…

Wie trist

Trist, sagt das Volk, als wär‘ das die Lösung.
Doch was für ein Meer! Banal fatal!
Dies Wort benennt nur die Quelle der Qual,
Tiefschwarz wie die Nacht … der letzten Ölung.

Dieses trist zerreißt meinen tristen Verstand
Sehn ich mich nach dir mein Portugal!
Nie wieder!! Finito!! Final!! …
Doch ist damit bereits alles Triste benannt?

Der Tod als Pointe, welch düstere Falle!
Der Tod als das Ende, für mich … für uns alle!
Das ist die Wahrheit, so bitter wie trist!

Ich treibe im Meer … nie uferwärts …
Ein brüchiges Floß trägt mein gebrochenes Herz …
Und nirgends ein Schiff das die Flagge hisst!...

Altes Mütterchen

Wie rasch sich doch das Leben dreht,
Noch bin ich jung im Schwung der Zeit,
Da heißt es schon: „Es ist soweit:
Jetzt bist du alt! Die Zeit vergeht! ...“

Das Lachen vergeht. Wer ist schon ein Held!
Die Hände geschnitzt wie aus Elfenbein …
Die gold’ne Jugend scheint nur Flitter zu sein …
Das Leben strömt eilig zum Abgrund der Welt!

Ich bin doch noch jung! Das kann doch nicht sein?
Das Haar wird schon weiß … und ich werde fromm
Murmle Gebete, für mich ganz allein …

Die Welt strahlt in rosa und wunderbar …
Ich sitze vorm Haus, begrüße „Schalom“ …
Und rundherum wirbelt die Enkelschar …

Auf der Suche nach der Liebe

Meine innere Stimme sagt mir: „Geh‘
Durch die Straßen des Lebens und frage,
Und denke bei allem: Was ich auch seh‘,
Hier ist das Leben hinter der Sage!“

Also geh ich durchs Leben, das Leben
Zu suchen, die Liebe zu entdecken,
Den schlafenden Amor mit Küssen zu wecken …
Jedes Wort, jedes Blatt aufzuheben …

Zu wandern und die Alten zu fragen:
„Was werdet ihr mir von der Liebe sagen?“…
Kann da etwas meiner Neugier entgehen?! …

So geh ich durchs Leben … mein Gehen verdrossen,
Wohin ich auch seh: die Mienen verschlossen! …
„Soll ich umdrehen!?  … Wer wird mich verstehen?“…

Unmöglich

Unter uns gesagt: Ich seh alles trist
Als wäre der Freitag des Jesu Christ.
Immer nur Grübeln … Trübsal eben
Dies Grübeln: Was soll das, das Leben? …

Wofür soll das sein? Alles neu, alles trist!
Sei ein Held? Zufrieden? Was ist?!
Alles scheint voll … Doch alles ist leer!
Stumm bleibt mein Mut, so sehr ich auch hör‘ …

Niemand kann meine Gedanken ertragen …
Meinen Schmerz … gar den Weg zu mir wagen.
Wer löscht die Gedanken! Wer bringt mich zum Lachen!

Dies ist mein Verhängnis, für jeden zu sehen!
Doch niemand … mein Leid … will es verstehen!
Wozu dazu noch Verse machen …

Schwester, o Schwester

Schwester, Sehnsucht, ich höre dich meinen Namen nennen …
Allein dieser Ruf lässt mein Herz feurig erglühen
Wie die Kacheln vom Schöpfwerk nach all den Mühen
Wenn die Fenster im Abendlicht brennen.

Das Herbstlaub raschelt um meine Schritte.
Der Hauswart fegt den Schmerz ins Herbstlaubdepot.
Wer außer dir rief mich jemals so:
Voller Sanftmut und Wärme umarmt mich die Bitte

Bis ans Meer zu reisen, doch nicht lange zu weilen,
Im Segen der Strahlen der Sonne zu heilen
Mich vom Fieber der Ängste und Sorgen,

Dass sie wie Blüten der Westwind verweht…
Wie all dein Bitten zu Herzen geht …
Schwester, o Schwester, wär es nur schon morgen.

Unser Buch

Das Buch von der Liebe, deiner und meiner,
Das Buch unserer Liebe, noch ungelesen,
Es blättert sich auf, als wäre zuvor kein Buch gewesen …
Die Blätter wie Blüten … nur feiner.

Kein fremder Bick weiß den Text zu verstehen,
Selbst der Heilige Geist schaut fragend,
Die Worte sind Pflanzen die Welt überragend,
Niemand außer uns kann sie übersehen!

Niemand versteht es! Außer mir! Außer dir!
Du lächelst mich an und ich schreibe hier:
All meine Verse … einzig für dich!!

O, mein Liebster! Liebster! Liebstes Wesen,
Behüte das Buch, wenn du es gelesen:
All diese Verse für uns … für dich … und mich!

Sei wieder der der du bist …

All die dunklen Gedanken lassen nichts sehen
Beugen dich nieder bis hin zum Verbittern
Machen dich vor Empörung erzittern …
Nur ein Gott kann solchem Dunkel entgehen

Gedanken die selbst die Sonne verdunkeln
Man sieht keinen Weg, man erkennt keine Spur
Immerzu murmeln: Wo bin ich hier nur?
Nirgendswo Sterne die über dir funkeln!

Ein Totes Meer ohne Strömen und Wogen …
Das Stammeln der Bettler klingt hohl und erlogen …
Das Einzige was fließt sind bittere Tränen …

Dabei, nie war der Frühling so wunderbar …
Nie die Mädchen so schön wie in diesem Jahr …
Nur das Schöne zu sehen ist mein Ersehnen!

Fanatismus

Alles in mir ist voll von Wahnsinn nach dir.
Mein Blick ist geblendet, ich folge dir blind.
Ich finde auch Gründe wo keine sind …
Mein Leben gehört längst nicht mehr mir!!

Mein Verstand gehört ihm … ganz unerbeten …
Wozu die Welt? Wozu studieren?
Wozu ein Herz, wenn nicht zum Verlieren?!
An dich! Meinen einzigen Propheten!!

Die Welt ist kurz … alles vergeht! …
Ich häng‘ an den Lippen über die dies hinweht! …
Ich bete sie an, weil ich anbeten muss!! …

O hört mein Gebet jetzt und allezeit:
„Ist das Ende auch nah, die Ewigkeit weit …
Er ist mein Gott: mein Anfang, mein Schluss! …“

Jenseits des Flusses

Grad schlägt es Mittag; die Luft vibriert.
Still steht der Farn an den Gewitterrinnen.
Da nahen von den Feldern die Schnitterinnen
Schlank wie das Korn, biegsam und ungeziert.

Ihr Singen dringt mir tief ins Gemüt …
Die schwarzen Augen der Zauberinnen …
Vor Hügeln fern wie Märchenzinnen …
Wesen von feenhaftem Geblüt.

Gleich den Engeln Hände wie Geschmeide …
Haare leuchtend wie Sommergetreide …
O welche Schönheit! Habt Erbarmen!

Leicht treibt ihr Singen über die Erde …
Ich spüre wie ich eine der ihren werde …
Doch da kommst du … mich zu umarmen! …

Rauch

Fern bin ich dir, nichts als Ödnis ringsum;
Fern bin ich dir, fern allem Mondschein;
Fern bin ich dir, fern allem Dasein,
Fern allem Frohsein, die Tage sind stumm!

Meine Augen sehen mich als hässliches Weib,
Filziges Haar als einzige Habe,
Die leeren Hände betteln um eine Gabe
Deiner zärtlichen Hände für meinen Leib!

Ein Herbst voller Tränen zum Felsen erweichen …
Die einst dunklen Astern sind weiß vom Erbleichen …
Nur Jammern und Klagen, was für ein Leben …

Ich breite die Arme: Wo bleibst du mein Traum?!
O mein Geliebter, durcheile den Raum,
Komm rasch!! Um meinem Leben Feuer zu geben …

Aber was dann? …

Kühl bin ich und indifferent.
Niemals empfand ich die Kraft,
Den tiefen Ton der Leidenschaft,
Den warmen Klang den jeder kennt.

Bis jetzt! Stolz sein Blick, wie er vor mir steht,
Keine Spur von Begehr … nichts davon,
Ich, nur eine blonde Illusion …
In der gerade die Sonne aufgeht!

Mein Herz verwandelt sich schnell
Vom Stein zum sprudelnden Quell,
Sprudelnd vor Witz und Fröhlichkeit!

Zu bezaubern den Wandersmann,
Mit diesem Quell! … Aber was dann?
Geht er des Wegs … Wann ist es soweit? …

O mein Hochmut

Ach könnte ich vergessen! Vergäße ich doch
Den Duft der Rosen und ihr Erblühen …
Ich schwebte im Glück fern aller Mühen …
Ich wünschte ich hätte jetzt dort ein Loch!

Meine Hand kam um nach dir zu sehen …
Und dein Wunsch stand augenblicklich! …
Heute bist du wunschlos glücklich …
Niemand will mehr auferstehen!

Wie aber vergessen, bin ich aus Holz?!
„Keiner verdient mich!“ ruft da mein Stolz
Und schon scheine ich wieder mit mir im Reinen!

Doch wirklich bin ich allein:
Ich bin nicht stolz … möcht es gern sein!
Nicht sehr famos … möchte man meinen …

Meine Verse nur für dich

Lass dir sagen, meine Verse sind mein Segen
Wie sie dir hier mein Mund aufsagt!
Licht wie der Marmor wenn Paros tagt
Will ich sie dir zu Füssen legen.

Die Liebe, du musst es mir glauben,
Wie Seide kann ein Hauch sie bewegen …
Lass dir sagen, meine Verse sind mein Segen …
Gemacht, dir den Verstand zu rauben!

Aber, Geliebter, ich bin längst bereit …
Schon bald, mein Geliebter, geht mein Mund viel zu weit …
Können die Zähne sich keinen Vers darauf machen!

O mein Gebieter! Noch nie bekamst du derartige Küsse!! …
Noch nie, mein Gebieter, derartige Bisse!!...
Mit Versen, geschaffen dir zu schaffen zu machen!

Das Morgengrauen

Die violetten Lider decken den Schlummer
Der Augen nach den zärtlichen Stunden …
Der Morgen graut! … Die Hände betend verbunden …
Hinter den Lidern weint mein Kummer!

Jetzt barmen die Hände die sonst dich umwerben!
Dieselben die dich so gierig liebkosen! …
Nun komm an mein Grab, den Arm voll Mimosen -
Mit dem Sterben der Nacht begann auch mein Sterben!

Das hüllende Dunkel zerreißt wie ein Rauch …
Verfliegt wie der Flieder … von Vanille der Hauch …
Nein! Lass mich nicht sterben!! Mach mich gesund!!!

Bevor der Morgen naht … den niemand vermisst!!
Oh du Geliebter, der die Seele wachküsst,
Küsse von nun an nur meinen Mund!! …

Mein ganzes Leben

                                             für dich mein Bruder

Ich kann in mir lesen, ich kann in mich sehen,
Doch habe ich Mühe, all die Namen zu nennen:
Für die Fenster der Kirchen die im Abendlicht brennen,
Die Düfte der Gärten, das herbstliche Wehen! …

Selbst das Kleinste der Welt wächst riesig empor:
Die Schwäne, die Lilie …  die Kathedral‘ …
Schemen, Düfte … ein Vers von Nerval …
Oder das Lachen des Spötters Chamfort …

Die Disteln an den Mänteln der Barden,
An meinen Händen das Duften der Narden …
Oh Welt kehr ein … in den Klang meines Mundes! …

Ringsherum Wien! Hier lebt die Heiterkeit …
Die Wehmut … Gegen die Übelkeit …
Des kranken Normalen … Verrücktes Gesundes! …

 

Welche Kälte

Deine Blicke sind kalt wie Zapfen aus Eis
Scharf und spitz wie die schrecklichen Messer.
Was immer ich weiß, du weißt es besser
Klar wie ein Wasser im Winter, ich weiß.

Deine Blicke durchbohren mit Lanzenlänge,
Ohne Erbarmen, grausam und ungerecht,
Wie der Ritter Quixote im Mühlengefecht,
Geblendet vom Gold der Tagesanfänge.

Niemand neidet, Geliebter, dir diese Gleichgültigkeit!
Dein Sinn ist eng, die Welt ist schmal, dein Blick nicht weit!
Verblendung macht blind … dies ist der Beginn!

Du neidest mir selbst die Schmerzen die in mir wohnen!
Ach würdest du doch, mich mit dieser Kälte verschonen:
„Ach, würde auch ich so selbstverliebt lieben … Wo wäre der Sinn! ...“

Die Karavellen

Die Hälfte des Lebens und am Ende der Kraft
Endlos der Weg! Glaubend sie wären verflucht
Ein Land zu finden nach dem nur der Wahnsinn sucht! …
Endlos das Meer! … Doch plötzlich ist Land!!

Ich hab längst begriffen: Was weiß man denn schon?!
Und mir Türme gebaut aus Elfenbein
Und dann demoliert, sie sollten nicht sein!
Allein auf dem Boden! Wozu da ein Turm!!?

Kein Land! Mein Schiffchen treibt im Toten Meer,
Meer ohne Wiederkehr, nichts als Leere umher …
Wo die Schiffe der Träumer versinken!

Mit Gold beladen tanzten die Karavellen …
Ach, könnte auch ich so solche Meere durchschnellen! …
Nach vorn ging mein Blick … ohne rückwärts zu winken! …

 

 

Trügerisch

Die Liebe liebt die, die einfältig sind.
Schmeichelnd tritt sie vor sie hin,
Verwirrt den Zweiflern den Sinn …
Ihr Strahlen macht selbst einen Argus blind!

Ihr Funkeln verzaubert, dass man die Schatten nicht sieht!
Die Lippen der Liebe betören das Licht
Selbst der Sonne das sich im Kirchfenster bricht.
Selbst ihr Feuer verlockt … das sonst jeder flieht.

Sie zähmt jeden Zweifel! … Der Argwohn? … Vergessen!
Ich liebe das Leben! … schwärmt die Einfalt besessen …
Und nirgends ein Weg, dass man ausweichen kann!

So packt uns die Liebe … und lässt uns erschauern …
So stark sie auch ist … auch sie wird nicht dauern …
Sie kommt … und zerbricht … doch niemand weiß wann …

Unsere Welt

Ich trinke vom Leben, das die Götter mir reichen,
Köstlich wie der Wein aus Falerno,
Stolz wie der Turm des Doms von Salerno
Dunkel wie das Laub auf den Teichen.

All meine Träume sind wunschlos und leer …
Für dich apenas para uso externo
Wird also das Leben schon bald mein Inferno?
Ich ahne Phantome … von überall her!

Das Leben, Geliebter, liebt das vivê-la!
Für immer! Lass uns die Gläser heben …
Und trinken auf das ewige bebê-la!

Was kümmert uns schon das Blendwerk der Toten? …
Was kümmert die Toten jene die leben?! …
Es lebe das Leben! … Zweifel verboten!! …

Prinz Charme

In den Nachmittagsstunden verschmachtet der Wille.
An den bleichen Abenden verlischt die Begierde.
Das schlaffe Mittelmaß bildet die Zierde
In den Händen von Prokurist Stille!

Die Nächte der Seele durchbraust kein Tosen!
Die Münder dürstet vergebens nach Blut …
Die Augen durchsuchen die Träume nach heldigem Mut …
Die Hände jedoch sind voller Veilchen und Rosen …

O komm doch zu mir … mein Prinz Charme …
Kühn wie die Ritter der alten Legenden
Wie der Wind, von ferne … Nimm mich in den Arm!

Er kommt … und alle Tristesse entartet!!
Umgarnt mich … zärtlich … mit zärtlichen Händen! …
- Ein Traum! Nie kommt er! Der so sehr erwartet!! …

Abenddämmerung

Das Licht verlischt nun bis zum Morgenrot,
Sagt uns Adieu … Schlaf wohl, o Frömmigkeit …
Und ich, die nicht glaubt, bin zum Glauben bereit.
Und jeder glaubt jetzt: die Welt ist im Lot …

Doch wer spürt mein Lächeln, hat die Trauer empfunden?!
Wen kümmert, ob die Liebe auch mich anlacht?!
Ich bin ganz allein in meiner Andacht
Und schluchze und schluchze ob der endlosen Stunden …

Wie mein Rosenkranz, endlos und immer da
Bist du mein Kreuz von schwerem Holz!
Bist du mein Weg nach Golgatha!

Jetzt beginnen die Stunden, da umklammert es mich:
Saudades, saudades!! … Verschwunden mein Stolz …
Fado!! … Mein Schicksal durchleide nur ich! …

Sphinx

Die Sphinx in der Heide ist einsam und wild:
Durch Ginster sehen die Augen gerade
Goldblitzend bis zum Anfang der Pfade
Und mein Herz strahlt wie ein Heiligenbild.

In eine Fata Morgana hab ich mich vergafft!
Du und ich … Küsse, Umarmung … Liebelein
Ich Heide … du Sonne … so wollen wir sein
Verschmolzen und eins, wie die wilde Landschaft!

Ich liebe die liebliche Nacht … einsame Pfade …
Mein Mund, all die Namen des Mondes hersagend …
Wie das De Profundis der Wehmut … Saudade …

Doch du wartest ab, als ob die Welt ruht,
Bleibst ruhig, dein Blicken gelassen und fragend …
Als blicke die Sphinx auf die ewige Flut! …

Spät so spät

Eil! Du sollst wie der Wind zu mir rauschen!
Der Mond blüht bereits wie die Rosennymphe!
Was hindern dich Wüsten! Was hindern dich Sümpfe!
Bleibe nicht stehen, um der Stille zu lauschen!

Eil!! Und entwirre meinen verwirrten Verstand!!
Dies ist die Stunde, wo selbst Gott sich erbarmt,
Dies ist die Nacht, in der sich Elf und Elfe umarmt …
Was hält dich mir fern?! Wer hat dich gebannt?!

Es glüht kein Gold am Donaustrand!!
Vergiss dein närrisches Mühen! Fühl wie meine Lippen glühen!
Gezähmt will ich werden … von deiner Hand!! …

Und muss ich selbst wie Dornröschen warten …
Ich warte, mein Prinz!! Bring mich zum Erblühen!!
Tritt ein in mein Schloss … verweil‘ nicht im Garten! …

Grau

Der Dunst des Abends treibt herbei,
Der Tag zerreißt zu Nebelfetzen
Die sich in Haar … und Sinn festsetzen,
Gleich bleichen Gespenstern … wie Blei …

Schwer schlurfen sie schweigend davon …
So lustlos, dass man fragen muss,
Woher kommt dieser Überdruss …
So schwer wiegt das Kreuz der Resignation!

Das Abendgrau füllt die Räume,
Mit dem Nebel der Träume …
Dunst … Woher? … Voll Trübsal und schwer …

Wo ist die Zeit da dein Blick mich betörte?! …
Wo ist die Zeit da dein Herz mich erhörte?! …
Ach, wann ist die Zeit der Wiederkehr?!! …

Nocturno

Mein Märchenprinz! Der Mond, die Güte ohne Worte,
Schenkt uns ein Licht wie Honigsüße …
Mein Märchenprinz! Ganz wie des Heilands Füße,
Weiß er den Weg, kennt er die Orte!

Ich hatte Hoffnung … Illusionen …
Ich war ganz Lachen … Jugend … Stolz …
Du nagelst mich ans Marterholz! …
Hier werde ich von nun an wohnen!

Mein Herz, mein Leid, mein ganzes Weh,
Liegt gleich der Rose auf dem See
Vor dir! Weit offen ihre Schwingen! …

Tu so auch du den Mund, zu guter Letzt,
Auf Augen, die das Leid benetzt …
Und dann verlass mich! … Lass mich weinend singen! …

Violetta die Chimäre

Violetta Chimäre  hast du mich geneckt,
Wegen der Burgen die ich uns erbaute,
Wegen der Liebe, auf die ich vertraute …
Wegen der Träume, die der Westwind erweckt.

Violetta Chimäre … mein Lachen, mein Schmerz …
Ist nichts als ein dich täuschendes Tuch …
Entblößt jedoch da zeigt sich der Fluch:
O frierendes Herz … kaum mehr als ein Scherz! …

Violetta Chimäre ... jetzt bin ich allein.
Nun träume ich Wiesen und dich vor mich hin …
Violetta Chimäre? Wie sehr trügt der Schein!!

Kaum heb ich den Blick, die Welt anzusehen:
Wo sind da die Küsse, die Träume, der Sinn?! …
Violetta Chimäre, wo sind die Ideen?? …

Saudades

Saudades! Ja .. gewiss .. und sonst weiter nichts? …
So geht’s, wenn die Träume himmelhoch wachsen
Und plötzlich da hörst du es knacksen …
Noch immer geblendet vom Flimmern des Lichts!

Ich soll vergessen!? … Saudade banal?
Dies alles, Geliebter? … Ist das tatsächlich dein Ziel?
Das Lied des Erinnerns, beinahe zu viel …
Durchströmt mich total … wie der Osterchoral!

Wieviele Male hast du schon vergessen?!
Mich macht all die Wehmut vielleicht noch verrückt …
Verrückt! Verrückt! … Kannst du dies ermessen?!

Plötzlich klärt sich mein Blick und fällt auf dich:
Wie mein irres Erinnern dich spöttisch entzückt!
O komm doch komm … wehe Wehmut und rette mich!!

 

Ruinen

Das traurige Herbstlied war einst Märzmelodie,
Die Burgen, eine wie die andere, sind nun zerfallen …
So ist das Leben, so ergeht es uns allen,
Selbst den Palästen im Reiche der Phantasie!

Der starke Efeu überwuchert sie,
Liebkost alle Trümmer und lässt sie erblühen!
Auch sie kannten Größe, auch sie kannten Mühen …
Selbst die Paläste im Reiche der Phantasie!

Das Leben bringt selbst den Hochmut zum Schweigen,
All unsere Träume, wie hoch sie auch steigen,
Selbst wenn sie wie Adler zum Himmelsdach schweben!

Alle Träume stürzen! Zu Boden … zerbrechen! …
Was immer auch die Küsse des Mundes versprechen!!
Vergehen … vergehen … wie unser Leben …

 

Dämmerung

Deine Augen strahlen wie Diamanten,
Wie verzauberte Falter, die Feen her sandten,
Legen den Blick auf meinem Blick nieder …
Berühren ihn sanft … und erheben ihn wieder …

Meine Lippen flüstern: wirst du bleiben?
Wird mein roter Mund für dich Rosen austreiben?
Werden meine armen Hände dem Flehen entgehen?
Wird mein sehnendes Blicken auch morgen dich sehen?

Die Arme des Schweigens umfassen uns fest …
Vom Fluss weht ein Windchen einen dunstigen Rest
Wie eine Schleppe in Fetzen aus Tüll …

Maria, mach uns diese Stille noch lange so zart …
Ach, bleibe doch ewig, du Gegenwart …
Dazu mein klopfendes Herz … solange ich will …

 

Hass?

Hass? Ihn hassen? … Um nichts auf der Erde!!
Zu groß, viel zu groß, für den Hass war meine Liebe!
Zu groß, zu groß, als dass sie nicht bliebe.
Nun Hass? Maria bewahre, dass es so werde!!

Ein Leid ohne Hass … hab ich mich belogen?
Halbherzig vor dir die Wahrheit verbogen?
All die Saudade hat mich betrogen!?
Das Heilige Land in der Hand … und zu leicht gewogen??

Ach! Niemals wieder zarte Amme, ist mehr als genug!
Nie wieder gelehrige Geliebte, ohne Lug und Betrug!
Einzig Augen für ihn, anbetend und weit! …

Oh!  Saudade! Von Hass nirgends ein Schimmer!
Er irrt durch das Leben … durch Irrlichtgeflimmer!!
Ich sehne und hoffe … und liebe für alle Zeit!! …

 

Abschied

Adios, schöne Jugend, lass mich ein letztes Mal die Stimme erheben:
Nie gelang es mir aus dem Kloster der Trauer hinauszugelangen,
Die Tage trist und schweigend die Nächte … dort hieltest du mich gefangen …
Die Augen gesenkt … die suchenden Hände erhoben zum Segen …
Von draußen lockte der Mond, wie Satan, der Gott Versuchung! 
Dort draußen musste das Vollkommene sein, das Himmelreich pur …
Kuss um Kuss um Kuss betört dort den Menschen die ganze Natur …
Bis in meine Zelle drang manchmal ihr Schein … wie eines Gottes Verfluchung! ...
„So schließe nun fest deine Augen! So gut, dass du von allem nichts siehst!
Erblasse sodann und ergib dich! Vergebens, dass du jetzt fliehst!
Umarme dein Kreuz, erflehe Erbarmen von des Gekreuzigten Güte!
Eiskalt ist das Tuch, in das ich dich nun einhüllen werde!
Doch nimm zuvor in den Mund etwas Asche und Erde …
Lass die Jugend zurück, lass sie stolz, ob ihrer Macht und ewigen Blüte!“
 

Das Leben

Wie eitel sind Liebe, der Hass, Pietäten;
All die flüchtigen Sentimentalitäten! …
Behüte die große Liebe wie ein kleines Kind …
Es ist als tätest du Parfüm in den Wind!

Alles läuft auf „Don Quixote“ hinaus,
Höchlichst vergnügt lacht der Folterer uns aus.
Dies Lachen ist uns die glühende Zange,
Wenn auch getarnt als Kuss auf die Wange!

All die wunderschönen Illusionen: zerbrechen.
Tot!! Und noch warm dem Vergessen gegeben! …
Doch wo bleibt der Engel, dies Sterben zu rächen!?

Wir hängen am Leben … obwohl wir dies wissen;
So lass es uns lieben, Geliebter … Das Leben! …
Wir wollen das Schöne, das Leben nicht missen.

 

 

Die rubinrote Zeit

Die dunklen Stunden, schwer vom Schweigen,
Machen für glühende Küsse empfänglich,
Die Wollust ist ewig und unvergänglich …
Wie traurig die Jungfern, die da auf uns zeigen …

Dich Mond bemuhen die struppigen Rinder …
O Vollmond!! … die Sterne spielen völlig verrückt!
Und unsere Küsse zerbeißen entzückt
Dein Silber in Stücke wie kleine Kinder …

Meine Lippen sind wild wie Winterwinde …
Meine Küsse sind rein wie die ewige Sünde  …
Umhüll uns mit Mondschein aus feiner Seide …

Alles ist Rätsel, und alles gewusst …
Und um uns die Nacht beschützt unsere Lust! …
O Dichter, umarm‘ mich, damit ich nicht leide!! …

 

Die Zarte

Nimm nur an, dein Kopf schmerzt mal,
Voll mit Hirngespinsten, riesengroß …
Leg ihn in der Mutter Schoß,
Dieser Heilerin der Qual.

Immer kannst du auf sie zählen,
Immer weißt sie dir das Rechte,
Tröstet über all das Schlechte,
Sorgen die die Seele quälen.

Du findest Frieden auf ihr’n Knien …
Und die faltigen Finger ziehen
Durch dein Haar wie Noahs Taube …

Immer hütet dich ihr Glaube
Dass ein Engel bei dir ist …
Gott schütze dich, dass du vergisst! …

Prinzessin Tränenblind

Mein Herz heißt Tränenblind,
Wie es der Dichter einstmals nannte,
Voller Lust … die dann verbrannte,
Wie die schrecklichen Schluchzer im traurigen Wind.

Es ist nackt und fragil, wie Träume sind …
Wie dessen Gebet, den der Engel erkannte …
Lebhaft … wie des Todes Verwandte …
Mein Herz ist tränenblind.

So lass mich jetzt die Nacht durchstreifen,
Nach dem milden Mondlicht greifen …
Sag mir, mein Herz, lag es an mir??

O Mond, öffne dem Herz deine Ohren!
Es ist verletzt, im eisigen Jetzt erfroren …
Das Ende für mich … ist heut‘ deine Tür …

 

 

Schatten

Die Schatten unter den Augen werden wohl bleiben,
Der klare Blick fängt an zu vergehen,
Wie Teiche sich trüben, wenn Winde nicht wehen,
Wo reglos lila Blüten treiben …

Die Finger schmal, wie Amors Pfeile,
Kein Lufthauch bewegt diese Nacht ohne Sterne,
Das Nocturno Chopins … Gelächter von ferne …
Trist träumen die Dichter … Zeile für Zeile …

Küsse … zart wie die erste Liebe …
Ach, halt mir die Zeit … ich wünschte sie bliebe…
Diese Zeit ist für mich und ich für die Zeit! …

Schwere Asche der Toten … Leichtes Licht des Lebens!
Ich gehe mit dir im Schatten des Lebens …
Und ahne, der Weg bis zur Kurve … ist weit …

 

 

 

Das Fenster in Belém

Meer!! Wellen zerbrechen als wären sie Wind
Mit einem schluchzenden Klatschen und Schrein …
Die Möwen schweben fleckenlos rein …
Weiß wie der Schnee … wie klug sie doch sind!

Sonne!! Mein Gruß, die du mir die Flügel ersetzt! …
Wellenbrecher!! … Niemand, der das Brechen zählt,
Das so sanft mich täglich quält …
Bitte bete für mich … mein Herz ist verletzt! …

Wie die Verse Samains betört mich die Ferne …
Wie hell ist die Nacht im Wintermondlicht! …
Wie stark das Leuchten der Fliederweißsterne! …

Amor!! Schwarz ist all deine Melancholie …
Ich bin wie die Welle, die an ihr zerbricht …
Beschütze mein Herz … und kränke es nie! …

 

Reisezeit …

Ich fühle mich schlecht, weder fit, noch top,
So wie ein Hund, ohne Herrchen und Schmuser …
Mehr struppig verlaust, als gut im Job …
Ich reise dahin, auf der Via da Loser!

Ein ewiger Jude, der keinem was tut!
Das klagende Herz, der Stich in die Seite …
Ein Herz ohne Liebe … wofür ist es gut?!
Jede Woge betrügt … auf dem Meer einer Pleite!

All diese Tragik schnürt mir meine Brust! …
Wieviele Illusionen … vom Winde verweht!
Wieviele Träume … was blieb, ist der Frust!!

Gott! Wird diese Tristesse nie jemals enden?
Ich flehe um Feuer! … Um Flügel! … Wenn’s geht …
Gott! Nimm mir mein Leid und lass es bewenden! …

 

Sonnenuntergang

Spät! … „Ave Maria, der Herr ist mit dir…“ …
Dann schlucken die Glocken die flehende Weise …
Im Westen verliert sich Auroras Reise …
Ihr Flügelschlag trennt den Himmel vor mir!

Die Stunde bekommt den Ton deiner Augen …
Die Stunde beschwört das heilige Einst …
Sie gibt dir recht … was immer du meinst,
Die Träume sind groß, dass sie für uns taugen!

Jetzt bricht die Zeit der Gedanken an,
Die Zeit in der der Mensch Platz nehmen kann
Einzig um sich in die Nacht einzuhüllen …

Die Verben vermurmeln sich endlich und schweigen …
Dein Mund beginnt, sich feurig zu zeigen …
Bestürmt meinen Mund … um die Nacht zu enthüllen …

 

Euphorie

Salute! … Mein Leben! … Ich werd‘ dich vermissen!
Mit all deinen Farben, die täglich mich wecken,
Dass meine Arme sich himmelwärts recken …
Und deinen Mund!! … so gierig nach Küssen!

Die Flammen des Lebens züngeln und tanzen …
Die Flügel der Engel … wie machtvoll ihr Schweben …
Und ferne die Sterne, die rätselvoll leben …
O Gloria! … O Dank! Dir Schöpfer des Ganzen!!

Unbegreifliches Wunder … erfrischend wie Tau!
Wie Seen sehn die Augen das Dasein in blau …
Deine Küsse sind heidnisch … und ungezählt! …

Das Herz auf der Zunge ... ins Fettnäpfchen treten!
Lebenskünstler, Vagabunden … Poeten:
Ich bin euersgleichen! Vom Leben erwählt!! …

 

Blühender Park Wiener Berg

Tanze mein Herz! Wer sollte dich zähmen!?
Jauchz Übermut! Wo ich auch bin …  er ist schon da!
Lodernd leuchtet die Heide von Erika …
Die brennenden Blicke löscht mir ihr Tränen!

Weiten!! … Die Flügel breiten! … Ihr Beben, ihr Schlagen …
Werden sie tragen? Mich? Ich trau mich zu raunen:
Magie! … Magie!! … Flaneure, die staunen:
Verstört!! … Hört, hört, wie sie Warnungen wagen …

Schon packt mich die Furcht, was wenn ich stürze? …
Und sehe mich schon mit Leichentuchschürze …
Nein!! Die will ich nicht sein!! Die heilige Saudade! …

Die Heide brennt … mit heidnischer Wut:
Nach Bienen und Sommer … O göttliche Glut!!
Die Heide brennt, es knistern Pfade … Nun grade!!

 

Verkehrte Verse voller Verzweiflung

Die Welt ist geschnitzt aus Nussknackerholz!
Niemand hat Flügel wie ich! Mein Gott!!
Worauf warte ich hier zwischen Pöbel und Spott,
In einem Turm aus Hochmut und Stolz?

Mein Königreich fern und unbewohnt!?
Warum bleibst Du stumm, während ich weine?!
Bin ich jetzt Fürstin … für mich ganz alleine!?
Wofür hast Du mich mit  dieser Gabe belohnt?

Die Welt? Wo ist die Welt, die mich liebt?
- Ist Lethe der Fluss, aus dem man Goldkörner siebt? …
Das Gold Deiner Küsse … verehrt und verständlich?

Verzückung … die Träume … die Leidenschaft …
- All dies verdanke ich Deiner Kraft!
Das Ende des Weltalls … letztendlich …unendlich …

Rustikal

Wenn die Mägde den Dorfrand erreichen
Um für das Vieh für den Winter zu mähen
Sieht man sie erst zum Einsiedler gehen:
Denn er segnet jeden, die Armen und Reichen.

Sein Kleid aus Kattun, wie Flieder so weiß,
Trägt den Duft von Lavendel und Thymian.
Mit heilendem Blick sieht er die Leidenden an,
Bescheiden bittet er Gott um den goldenen Mais.

Die Mägde sind klar wie der Quell der Zisterne,
Sie vertrauen dem Hier und dem Himmel der Sterne,
Dem heutigen Tag und dem „Jüngsten Gericht“.

O Herr, schenk‘ uns Liebe, schenk‘ ihnen davon,
Setze statt meiner sie auf den Thron,
Bewahre die Anmut auf ihrem Alltagsgesicht.

 

 

Real

Der Morgen glüht während sich unsere Blicke vereinen,
Trillernd verlässt meine Stimme das wärmende Nest …
Verwandelt zum Kuss der sich auf dir niederlässt …
Kühl und erfrischend wie Tücher aus Leinen!

Deine Liebe macht trunken wie die Weine
An der Plaza de las Tendillas in Cordoba …
Und mein sommernachtwarmes Haar
Bedeckt deine Blöße wie von alleine …

Meine Lider färbte die Nacht violett …
Die Augen moosgrün … und ich bin brünett…
Ich bin wie Verbena … mach dass ich erblühe!! …

Mein Leben, mein Leben, komm wieder zu mir!!
Mein Dasein ist Wüste! … Es dürstet nach Dir!! …
Dies alles, Geliebter, verspricht mir die Frühe! …

 

 

Die Gaben der Feen

Ich trage dich auf meinen Händen
Aus dem Dunkel ins Helle, mein Herz!
Ich salbe die Wunden, dein Leid zu beenden,
So heile ich dich … und den eigenen Schmerz.

Meine Flügel zähmen die Wogen,
Über Sorrent flieg ich nach Wien,
Sieh meine Augen: feucht und tiefgrün,
Wie Tropfen aus Glas vom Seewind gewogen …

Ich bewirke für dich, dass die Uhren ausruh‘n,
Dass der Nachmittag zögert, das Licht fortzutragen,
Dass der Frühling erstrahlt in zeitlosen Tagen…

Mach du nun, nur mir, die Welt wie Götter es tun!
Ich bin der Geist unsrer Saudade,
Die Ära des Einst, Prinzessin der Gabe …

 

 

Das plötzliche Sterben

O nein, ich fürchte mich nicht, vor dem letzten Moment,
Wie die Winterschläfer zufrieden eindösen …
Doch ohne Erwachen, selbst wenn die Sonne schon brennt …
So ist halt der Pakt, man muss ihn einlösen.

Wie die Täubchen: sie senken den Kopf, sie zucken die Flügel,
Als wollen sie gurrend ins Jenseits einfliegen …
Stolz, voller Mut … in eine Welt ohne Zügel …
Doch dann gibt man nach, die Lust fehlt zum Siegen.

Was wird mich erwarten? Erwarten? … Das Leuchten des Lichts?
- Gott? Die andere Welt? Das ewige Nichts?
Das letzte Gericht? … Ein Sarg im Spital??

Und was wird das kosten? Braucht man dort Geld?!
- Wenn man denn stirbt, stirbt auch die Welt!
Und mit ihr die Hoffnung … wie voriges Mal! …

 

Ich

Niemand versteht mich, was immer ich sage.
Ich häng nicht am Alten, mich kümmern nicht Moden,
Ich geh nicht in Seide … mich hüllt nicht der Loden!
Klar wie das Wasser … bin ich wie die Tage.

Ich belauere niemand … und seh doch das Spiel …
Man praktiziert Schweigen … so laut, bis ich’s höre …
Meine Blicke zu fangen, lockt sie die Chimäre …
Doch Gedanken spazieren … wer kennt schon ihr Ziel?!

Du suchst den Sinn? – Aus welchem Grund?! …
Was immer ich gebe, es ist schon gegeben …
Mit den Sätzen der andern stopft man mir den Mund!! …

Schal und banal! … Zum Übergeben! …
Zäh sind die Worte … sie glühen … und kleben
Und brennen zu Asche mein eigenes Leben!! …


 

Zwischen den Feldern

Mein einzig Geliebter! Mein Freund! Mein Begleiter!
Umarme das Leben … mit mir ganz alleine!
Wie weit wir auch gehen, die Felder geh’n weiter …
Umarme sogleich, allegro und forte: die Deine!!

Umgarne mich zärtlich und stark bis zum Ende …
Betaste den Alabaster der Haut …
Spüre wie sanft auf dir meine Hände …
Und niemand ist da der den Wolken nachschaut! …

Lass uns das Gelb der Stille erlernen …
Bewundern den Mohn zwischen den Ähren …
Das klare Blau in den Zisternen …

Und kehren wir heim … aus den endlosen Fluren…
Hin zu den Wegen, die den Rückweg verwehren …
Sieht man nichts außer Sternen und unsre Konturen! …

Wenn du mich so von der Seite ansiehst...

Wenn du mich so ansiehst, wie gestern in Döbling …
Mit diesem Blick ... wie Nachmittage die niemals enden …
Obwohl die Nacht bereits lockt, keck wie der Sperling …
Das ist diese Stunde … da bin ich das Wachs in deinen Händen …

Dann fängt mich all das: deine Haut … dein Odem … dein Duft …
Dein sinnlicher Mund … der köstliche Klang deiner Schritte…
Dein Lachen … was immer ich atme: du bist in der Luft!  …
Deine zärtlichen Küsse … Das alles ist Geben, das alles ist Bitte!! …

O, wenn du mich ansiehst … mich treibst an den Rand …
Süßer als Krapfen … zarter als jeder Schwedenschaumkuss …
Du bringst mich zum Jubeln! … Raubst meinen Verstand!!

Heut früh sticht die Sonne mit Nadeln nach mir …
Und mein Blick wird trüb vor Verdruss …
Allein meine Arme, die strecken und recken und suchen nach dir! …

 

Abend

Der Tag glüht sanft mit letzter Glut …
Den Horizont färbt schon das Elfenpurpur …
Im Bett des Flusses döst des Himmels Azur
Zwischen funkelnden Wellen voll Übermut.

Mein Hermelin hüllt uns am Strand …
Die Gedanken eilen zum Meer …
Die Blicke träumen sich hinterher …
Blicke der Sehnsucht vom Zwielicht gebannt.

Im Grenzzaun der Nacht eine spaltbreite Tür …
Der Himmel verblüht wie zartrosa Rosen …
Durch die Tür des Apoll, nur der Duft bleibt bei mir…

Und mein Herz klopft wild bei jeder Berührung
Von diesen Händen wie sie wohl Elfen verlosen …
Voller Zauber … und voller Verführung!! …

 

 

Meine Gaben

Den Göttern gefiel es, mir Erleuchtung zu schenken,
Gleich den Kristallen, die ebenso leuchten, wie von allein.
Den Göttern gefällt es, meine Schritte zu lenken …
Heute schein‘ ich im Himmel zu sein!

Den Göttern gefiel es, Ambrosia … zu schaffen
Einzig für mich, wie die Liebe, ewig und eminent …
Wie einstmals den Ritter mit magischen Waffen,
Der weder Tod noch Hindernis kennt …

Den Göttern gefiel es, dich zu erschaffen … mein Leben!
- Wozu?! ... Sie schlugen zugleich meine Arme ans Holz!
Welch ein Hohn sind die Küsse, die sie mir geben!! …

O, komm!! … Wohin? … Wo werd‘ ich schon sein?! …
In einem Schloss hinter den Dornen aus Stolz!!
O Eile! Eile!! Mich vom Kreuz zu befrei‘n …

 

 

Geheimnis

Du bist mir das Gold das Frau Neve ausgießt:
Mein Ein und Alles… Doch niemand versteht!
Mich birgt ein Schloss, das nur einer aufschließt …
Du hast den Schlüssel, sei der Prinz der ihn dreht!!

Tritt  ein zu mir, um mich zu begreifen …
Schon jetzt bin ich dein … ohne Anfang und Enden! …
Wenn einen die Federn des Engels streifen,
Wer könnte da seine Sinne abwenden?!

Schon färbt das Erröten das blasse Gesicht …
Schon durchbeben einen göttliche Schauer …
O Liebster, mein Liebster, mein jüngstes Gericht!!

Ich bin nicht aus Glas, nicht fragil wie Mimosen!
Umarme mich fest! Warte nicht bis zur Trauer …
Wenn mein Herz niemand begehrt … als die Rosen …

 

Seht meine Hände! …

Meine Hände, gläsern und dünn,
Weiß wie am Morgen das Neuschneegeflimmer,
Ätherisch ihr blassrosa Schimmer …
Im Schoß der verbannten Infantin.

Wie von Puppen, von Feen, und ähnlichen Wesen,
Kläglich, mit Salbe und Seide kaschiert …
Sterbende Jungfrau, vom Zwielicht halbiert …
Zu spät – Zu spät? - um noch zu genesen …

Mager und bleich … zu schwach für jede Last! …
Meine Hände - wie ich - weil du mich verstoßen hast!! …
Alles ist Jammer … zu schweres Gewicht!

Was soll ich tun – Ihr Götter! – dass er mir verzeiht?!
Hier seht meine Hände! … Ist er bereit?
… Wird er es mir sagen? … Was sagt sein Gesicht??
 

 

Spätnachmittag

Der Abend zieht auf, um sein Licht auszugießen …
Meine Seele kniet nieder in stummer Andacht.
Der Mond verkündet das Nahen der Nacht.
Der Nachmittagskrug bricht, lässt den Regen ausfließen …

Wer zählt all die Perlen die am Fenster ‘rabfließen …
Mit Murren wird nun der Bruch weggebracht …
Mein Feldblumenstrauß, den du mir gemacht! …
Lass mich die brennenden Augen schließen …

Der Rauch des Tabaks füllt unsere Hütte …
Idyllisch und sorglos  ist unsere Mitte …
Längst haben die Mädchen die Kühe gemolken …

Friedliche Stille … die Nacht naht rasch auf trauter Spur …
Verzückung … Ekstase … wilde Natur!
Die Farben der  Wildnis färben die Wolken …

 

 

Einst

Einst gingen die Menschen zu Fuß durch das Reich,
Einst sah die Infantin vom Fenster auf dieses Treiben,
Aus ihrem Palast … an Pracht kaum zu beschreiben! …
Zart war ihre Hand, wie Marmor so bleich …

Einst besangen sie Dichter mit Schwermut und Reim …
Jeder einzelne Vers fest wie ein Kastell …
Einst entdeckte man Indien, aber so schnell
Kam niemand zurück … kam nie wieder heim!!

Brünette Entdecker, mit edlem Profil,
Augen so grün … fern wie das Exil …
Einst lockten Sirenen die Schiffe gen Osten …

Dies alles … nur Nebel … und Nebel vergeht …
Ach, denk‘ ich an einst … verweht …  Verweht!! …
Ich lebe im Heute‘ … auf verlorenem Posten! …

 

Unsere Wohnung

Wart‘ einen Moment … die Augen lass‘ zu!
Ich werd‘ sie beschreiben, so siehst du sie …
Sie duftet … von Blumen … und Poesie …
Der Geist meiner Wünsche erschafft sie im Nu!!

Warm, mein Geliebter, ist unser Nest!
Die Welt? … wird uns womöglich vermissen,
Überwintern wir dort, bedeckt nur mit Küssen …
So süß, so keusch, so zärtlich … und fest! …

Mein Traum: zwei Liebende, die sonst nichts sehen …
Die, Hand in Hand, diesen Fußpfad begehen,
Durch Wiener Wiesen zum Lusitanischen Garten …

Und, inmitten von Sehnsucht und Illusion,
Erwartet sie uns!! … Siehst du sie schon?
Dann öffne die Augen, und lass sie nicht warten …

 

Die Bettlerin

So ist mein Leben: kein Einst, kein Es werde!
Ein Leben, bettelnd im Dasein verbracht,
Über mir Sterne, und die Kälte der Nacht.
Kalt ist der Weg … auf dieser Erde!!   

Den lumpigen Umhang gab mir der Tag!
Wer stiehlt schon den Umhang, wer nimmt meine Blätter?!
Wer widersetzt sich gar dem stürmischen Wetter
Das einst mein liebendes Herz verbarg?!

Unstet ziehe ich bettelnd … um Liebe!! … nicht Geld …
Doch niemand bemerkt es … auf dieser riesigen Welt …
Niemand sieht nach dem Wurm, kriechend im Staub! …

Ach, wäre ich doch wie der Schakal!! …
Jaulend und heiser schrie ich meine Qual …
Einsam … verlassen … verborgen im Laub! …

 

Verzweifelt …

Wieviele  Frauen kanntest du vor mir bereits …
Wieviele Schatten! Doch was liegt schon daran?
So viele seh ich im Traume dir nah’n …
Doch du sagst: nur zwei … und die ohne Reiz!? …

Giftblau schießen die Zweifel ins Kraut,
Der Efeu verwelkt an der Pforte zu dir …
Die Eifersucht treibt Blüten in mir! …
Wieviele noch kommen? … Ich bin doch die Braut!!?

Werd ich wie am Morgen: verblassender Stern? …
So nimm mich! Und küss mich! Ich halt alle fern!!
Und lass unser Heute die Ewigkeit sein!!

Alles Gute ist drei!! Meide die Vier!!
Halte mich fest, dass ich die Zweifel verlier!
Denn gehst du einst fort, bleib ich für immer allein …

 

Zwischen Brücken

Aufgelöst in meinem Glas voller Sturm
Beleuchtet die Landschaft all unser Hiersein!
Im Morgen funkelt der gläserne Turm! …
Für uns, für uns, für uns ganz allein! …

Zärtlich berühren mich deine Hände,
Meinen Körper wie Wachs dem Licht zuzubiegen …
Ich bin wie der Wein am Nachmittagsende
Voller Sonne, Duft und Daseinsvergnügen!

Schließe die Augen, nur dir will ich zeigen:
Mein glückliches Herz, voller Leid, voller Schweigen!
- Bei jeder Liebe ist Wehmut dabei! …

Blau leuchtet nah aus Emaile der Fluss …
Dein Mund entflammt mich mit jedem Kuss …
Der Glasturm steht stumm … Vom Himmel ein Schrei …

 

 

Fado

Wenn der Sommer geht, weinen die Seen,
Die Windchen verschwinden mit sanftem Wehen,
Die Ahnungen ahnen, bald Kaltes zu sehen,
Die Zweifel sehen Dämonen entstehen …

Die Tür fiel ins Schloss, du sahst dich nicht um …
Überall liegt Vergess‘nes herum …
Ich ahnte dein Fortgehen, doch Schrecken macht stumm …
Du lässt mich allein … Ich frag‘ dich: Warum?!

Alles muss gehen … Manchmal muss man weinen …
Sanft wie Laternen, die in Vororten scheinen...
Leis wie der Wind, der die Nässe fortweht …

Nun kommt der Herbst, und mit ihm der Frost,
Vielleicht kommst du wieder, vielleicht auch nur Post …
Ich sehe zur Uhr, wie sie läuft … bis sie steht …

 

 

Herbst

Die Seen sind dunkel, wie auf Verliesen,
Der Herbst hat ihnen Spitze gebracht,
Spitze geklöppelt aus Fäden der Nacht …
- Der Nebel bedeckt die einsamen Wiesen …

Die Blätter wispern die herbstliche Losung …
Der Boden verliert sein schützendes Dach,
Sein Tag wird kürzer, sein Licht wird schwach …
Sein Segen ist mir wie eine Liebkosung …

Das Kleid des Herbstes schmückt jeden Ast,
Mit Gold, Purpur, Gold und Damast!
- Die Gewänder der Erde, welch kostbares Bild!

Der Spätherbst am Abend gebietet zu schweigen,
Die Pracht seiner lustvollen Nächte zu zeigen …
Ich schluchze und lache vor Liebe wie wild! …

 

Dichter sein

Der Dichter ist der der das Leben annimmt!!
Fühlen, wissen … wie mit wilden Bissen küssen!
Will alles geben und alles vermissen!
Der Dichter ist König … zum Bettler bestimmt!

Mit tausend Bitten sieht er empor,
Doch niemand ahnt, wonach er sich sehnt …
Ihn leitet ein Stern … den er nie erwähnt …
Der Dichter hat Schwingen wie der Condor!

Der Dichter will wissen … was immer es sei!
Geschmückt mit der Kappe der goldenen Tage …
Ist ihm die Welt ein einziger Schrei!

Der Dichter sieht Nächte, von Engeln erhellt …
Die Herzen, den Geist … die ewige Frage! …
… Um Zeugnis zu geben vor aller Welt!

 

Der Tag erwacht

Die Nacht verblasst. Der Tag erwacht …
Ich lausche dem Murmeln, vom Morgen besonnt …
Die Häuser öffnen die Augen, der Horizont
Leuchtet wie Tulpen, die das Dasein anlacht.

Das Schwatzen der Schwalben lässt  die Stunde erbeben
Der Morgenmesse, kaum dass die Sonne aufsteigt.
Und die Hähne krähen was das Schicksal verschweigt,
Aus voller Brust: Es lebe das Leben!!

Schritte verklingen … ein Schemen verschwimmt …
Wie Pulcinella, der den Verräter mitnimmt …
Genug, lass das Schweigen, lasse uns sprechen! …

Doch das Mondlicht verblasst, erschöpft und entsetzt …
Meine Hoffnung vergilbt … verschlissen, zerfetzt …
Ich bleicher Pierrot … Was ist mein Verbrechen?! …

 

Jugend

Die Jugend!! Alles ist neu, glänzt … unbekannt …
Feurig und stürmisch macht uns ihr Tosen! …
Sie sieht in der Distel Blüten von Rosen,
Der Regentropfen ist ihr Diamant;

Mich lässt sie irren und vagabundieren …
Ist mein jüdischer Sinn … ist ewiges Kind …
Ist zausender, treibender Wirbelwind!
- Bitter die Scham nur … beim Triumphieren!

Mein Blut berauscht mich … wie scharfe Gerichte.
- Hoch lodern die Flammen meiner Gedichte …
Nur für dich erblühen die Lippen wie Mohn!

Der Irrsinn umarmt mich, in Freude und Schmerz …
O mein Geliebter! … Mein argloses Herz
Verloren im Leben … dem mächtigen Strom …

 

Lieben!

Das Lieben, das Lieben, das Lieben … pour toute la vie!
Lieben allein um zu lieben:  hier und jetzt und immer …
Alles veredelt ihr herrlicher Schimmer …
Lieben! Lieben! Lieben! Niemand liebt nie

Was war? Nachtragen? Vergessen? Dahin! …
Halten oder lassen? Gut oder schlecht?
Ich kann immer nur lieben, dies ist mein Recht,
Einzig das Leben kennt seinen Sinn!

Begrüße voll Liebe den Frühling in dir:
Mit Singen, mit Farben, mit Veilchen als Zier …
Die Götter gaben die Gabe dafür!

Dann kommt der Tag, da sind wir Staub, sonst Nichts,
Die Nacht nach den Tagen des heiteren Lichts …
Dies lasst mich vergessen … das Lieben lasst mir! …

 

Heimweh

In das Land der Legenden möchte ich schnell,
Meine brokatenen Kleider ablegen,
All die Juwelen, die Feen umhegen,
Wie die Rosen der Rainha Santa Isabel!

Zu den Opalen, groß … wie ich beinah bin! …
Komme, o Engel, nimm mich an die Hand,
Und führe mich schnell in dieses Land! …
Dies ist mein Reich … und ich die Infantin!

O du mein Reich aus Traum und Erwecken,
Weg will ich von ihr, der Schimäre der Schrecken!! …
Doch niemand weiß das Geringste von dir!

Wieder dorthin!! … Wie gut wir es hatten!! …
Hier nichts als Schatten von Schatten von Schatten …
Zwischen all diesen Schatten such ich nach mir!

Ambition …

Selbst jene, die mich kaum kennen, beschwören,
Flüchtige Bekannte, leisten Eide darauf:
Nichts ist unmöglich, nie gebe ich auf!
Wenn sie es nur will! … kann man stets hören …

Was immer ich will, das ist auch geworden …
Dank Krallen, Griff und Condor Schwingen …
- Die Welt ist voll Panther die das Wild umbringen
Wegen nichts … nur der Freude am Morden!

Die Leidenschaft ist’s, die meine Seele verbrennt …
Und doch steh‘ ich fest wie ein Grabmonument …
- Einsam und kalt wie ein Schafott!

Verliebt in diesen Mann? … Einzig deswegen??!
Die Erde ist voll … von Männern und Regen!
- Ein Mann?!! … Wenn ich liebe, dann ist er ein Gott!! …

 

Gekreuzigt

Eine Freundin … Vertraute … das ist’s was ich suche!
Jeder Himmel hat Sterne … jedes Göttergeschlecht …
Doch jeder der liebt hat darauf ein Recht!
O, wie ich dies Betteln um Liebe verfluche.

Eine Freundin … Schwester … liebende Frau! …
- Was immer er hört, meine Worte sind wärmer,
Meine Verse sind sein, mein Leid macht mich ärmer …
Der ich nach schlaflosen Nächten mich anvertrau‘! …

Gekreuzigt, die Arme gespreizt wie zur Bitte,
Hör ich erstarrend den Klang seiner Schritte …
Er kam zur Visite … verschwieg den Befund! …

Und später dann … Ach! Der Schmerz warf mich nieder …
Und dann immer wieder, wieder und wieder …
Auch heut muss ich leiden … aus anderem Grund!

 

Warten …

Nie werde ich diesen Abschied vergessen, o Freundin, mein Schatten!
Der Abend dämpfte behutsam den Klang deiner Schritte …
Dein Parfüm Amour Perdu durchwehte die nächtliche Mitte …
Deine Umarmung, so arglos und rein, in all der Zeit die wir hatten …

Dunkel … du treue Gefährtin geheimer Gedanken,
Die, ebenso scheu wie brutal, wie Wildkatzen sind,
Dieser Tag ist auf ewig unser gemeinsames Kind …
Dieser Tag wie ein endloser Weg, ohne Ziel, ohne Schranken …

Allein deine Liebe ist dunkel wie die Seen der Sagen
Mit all ihren Wellen, die lachen und lauschen, doch niemanden fragen …
All dem Singen der Nixen in zeitloser Tiefe …

Warten … und warten … O, du, meine treue Gefährtin …
Jedes Sehen ins Ferne verfinstert den Sinn …
Immer nur warten … Schweigen! … Vergebens! … Wonach auch immer ich riefe! …

 

Befragung

All dieses Foltern und Martern: verschwendete Zeiten,
Dein Verhör, dein Bohren im Schweigen ist mir wie Gesang,
Dies Strafen mit wütenden Schreien nichts als heiserer Klang
Von Irren die mit klapprigen Kleppern meine Festung anreiten.

Das Blühen der Heide ist ewig, gib auf, bevor du es zählst,
Seelenverwandt liegt auch sie … wie ein leuchtendes Meer,
Bedenk, wo du bist … frag dich: wo kommst wohl du her …
Bevor du dich steigerst … und mich weiterhin quälst!

All die Visionen von diesen schönen neuen Welten …
Klingen bereits nach Schreien und Weinen und Schelten …
Überall Eisen die glühen, um zum Reden zu bringen!

Werden diese Hände, mich zur Folter ausstrecken?
Wird mein pulsierendes Blut diese Hände beflecken …
Wird mein Flehen um Wasser zu deinen Ohren vordringen?!

 

 

Wollust

Mit der himmlischen Schamlosigkeit der Jugend,
Mit dieser heidnischen Ekstase bezwingt man das Glück,
Mit diesem vibrierenden Brausen drängt man das Dunkel zurück …
So gib dich und nimm meinen Leib und pfeif auf die Tugend!

Der Schatten zwischen Keuschheit und Versuchung …
Diese Wolke über dem Dasein lässt der Sturm Vergangenheit sein …
- Mein Körper! Er wird dich berauschen wie kräftiger Wein:
Meine Küsse der Wollust, des Lasters, der heißen Verfluchung!

So komm, dem Trank aus schamroten Dahlien des Schoßes entgegenzueilen…
Die Finger der Sonne werden dich glühend umklammern,
Wenn du mich stichst … und triffst … wie mit göttlichen Pfeilen!

O nimm diesen Leib der sündigen Arabesken ewig und ganz!
Ström' in mich, vergiss dich, lass mich wollüstig jammern,
Wie die göttlichen Katzen … in ihrem wollüstigen Tanz …

 

Umsonst …

Geliebter, nichts ist umsonst, niemand ist nichts:
Hör nur die Meere, wie sie ewiglich weinen,
Ob der Muscheln am Strand klagen und greinen …
Nichts?… Selbst die Schatten bedürfen des Lichts!

Ich laufe zu dir durch den bösesten Sturm,
Und trage mit diesen Händen Diamanten für dich …
Doch du sahst mich an, als kreuzigst du mich …
Ich glühe vor Liebe … wie kalt ist dein Turm!

Niemals siehst du begehrend zu mir,
Dass ich mich dir gebe … Hier sieh meinen Mund,
Dieser Mund verzehrt sich nach Küssen von dir!

Wie der Wanderer den Durst nur mühsam ertrug
So ersehn ich mir Flügel wie ein klagender Hund
Dass du mich umarmst für den ewigen Flug …

Immer höher …

Noch höher, jawohl! Noch höher, noch weiter
In jenem Traum, in dem die Leiden des Lebens leben,
Weit weg von hier! Dorthin wo die Götter Ewigkeit geben …
Wo einen niemand findet! Noch höher! Noch weiter …

Hier unten beachtet uns niemand, egal was man machte!
Man ist stolz, man ist der Adler, der noch höher steigt,
Dorthin, wo sich ihm die Götterwelt zeigt …
O, die ihr dies träumt: wie ich euch verachte!!

Noch höher, ja! Für immer! … Zum Mindesten täglich!
Alleen des Hochmuts durchschneiden die Zeiten,
Beleuchtet von Fackeln des Nichts-ist-unmöglich!

Also höher! Immer noch höher! Bis ins ewige Grau …
Hier aber lässt mich das Leben die Arme ausbreiten …
Die göttlichen Arme einer irdischen Frau!

 

Nerven aus Gold

Meine Nerven, läutende winzige Glocken,
Spielen für mich diese seltsame Sinfonie,
Melodien der Wollust, des Leidens, der Euphorie,
Welche mir Lachen und Tränen entlocken!

Kaum hat mein Körper ihr Zittern vernommen,
Dieses Glockengeläut wie in Jahrmarkträumen,
Da wirbelt, und singt es in allen Räumen …
Heiß ich die edlen Künste willkommen!

Das Herz, dieses fürstliche Gabe, diese Göttermimose,
Ist offen und mit jedem verwandt, wie auf meiner Hand
Diese sich öffnende purpurne Rose!

Und drinnen in mir schwingt und klingt es höchst kontrovers,
Doch meine seltsamen Nerven haben alle erkannt …
So ist die ganze Welt zu Gast … zuhaus in jedem Vers!

 

Die Stimme der Linde

Heut sagt die Linde zu mir: „Ehrlich und grade
Bin ich das was man sieht: Sieger in Gnade.
Sieh meinen Leib, wie der Wind,  mit sanfter Saudade
Mich zärtlich liebkost, wenn ich ihn einlade …

Der junge Held Frühling, dem die Sonne empfiehl,
Mich mit ihren Strahlen zu fesseln im zärtlichen Spiel,
Begann mich zu schmücken, vor Augen sein Ziel …
Dann zog er weiter … als ihm eine jüngre gefiel …

Einzig der Wind säuselt mir Mozart, wenn ich ihn ersehn‘ …
Mein Herz ist verzweifelt, mir tropfen die Tränen
Wie in den Regen-Sonetten des Dichters Verlaine …

Nicht fern ist die Nacht … im Spätsommerschein,
Da wirst auch du vergebens die Liebe ersehnen …
Verlassen, vergessen, alt und allein …“

 

Sein …

Ach! Könnte ich doch zur Unschuld umkehren,
In das einfache Leben der Arglosigkeit,
Ablegen den Tand eitler Sprunghaftigkeit:
- Die schäbigen Bräuche, die niemanden ehren!

Ach! Ausreißen dies faulige Fleisch voller Fliegen,
Dies schäbige Wissen, verschlagen, bemüht …
Ach! Könnte ich doch … staunend … und unaufgeblüht,
Rein wie ein Kind, von diesem Wege abbiegen!!

Sehnsüchtig sein, wie die Pappel im Frühabendlicht,
Die Zweige schwer … in Gedanken versunken …
Und auf jedem der Blätter steht ein Gedicht! …

Ein aufrechter Baum sein, voller Saft, voller Güte,
Der Sonne entgegen, dem Quell aller Funken …
Auf einer Urne aus Gold die lebende Blüte …

 

?

Wer hieß die Kröte im Blütenbett warten,
In den Rosenblättern am Nachmittagsstrand?
Und wer gab der Schwalbe ihr Nonnengewand?
Seinen köstlichen Duft dem Schattengarten?

Wer ziselierte die Sternchen dem schönen Jasmin?
Wer machte die Haare der Königin?
Die Blumen? Wer machte das Meer? Wer meinen Sinn?
Wer ließ mich so kreolisch sein, wie ich kreolisch bin?

Wer machte die Menschen? Die Wölfe, die Bären?
Die heilige Theresa im frommen Verehren?
Die Monströsen? Den Mond und den Schein?

Wer gibt den Geplagten Flügel zum Fliegen?
Wer gibt dir die Kraft mich zu besiegen?
- Könnte irgendein Mensch dies von allein?

 

 

 

Wird vermutlich fortgesetzt ...

 


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