Willkommen auf der Homepage von Frank-Wolf Matthies

 

 

Dezember

An Diotima

Die Verse der Seefahrer verstehst du …
  Die Worte des Geflohenen finden Heimat
    In deinem Herzen, verwunderst du dich
      Dabei verstehst du doch selbst
        Die Sprache der Dichter,
          Und Engel reden in allen Sprachen
            Zu dir! … O, ihr Himmlischen,
              Lasst sie nicht alles vergessen!

Das wusste ich nicht,
  Wunderst du dich, voller Zweifel,
    Den eigenen Ohren zu trauen.
      Und doch verlässt du nicht deinen Weg
        Und doch gehst du beharrlich
          Diesen mühseligen Weg,
            Den dein Engel dir weist. Doch
              Dies weißt du vermutlich

Ohnehin? Fern werden sich die,
  Die einst eins waren,
    So eins, so eins, dass nur das Schwert
      Eines Engels sie zu trennen
        Vermag … worauf sie einander fremd
          Werden, wie sich selbst. Allmählich,
            Zahlreich wie Stimmen, wie Münzen
              In den vollen Händen
                Des eiligen Alltags.

Stimmen auch sind Stürme die kühlen …
  Stimmen auch sind Winde die die Glut
    Unbegreiflicher Welten bringen
      Welche das Atmen beschwerlich
        Und ein kaltes Denken unmöglich
          Macht. Winde aber sind flüchtig …
            Wie der Gesang überdauert ihr Leben
              Nicht das Erinnern … niemals
                Vermagst du sie zu halten.

Alles was wir wissen
  Ist Irrtum, die Wahrheit hingegen
    Ist auf immer das Vorrecht
      Der Götter. Ihr Hoffen
        Wird einzig von Engeln verkündet, so
          Könnten wir sie sehen und hören …
            Doch wir schließen die Augen
              Bei all dem Umarmen
                Das kein Versprechen je hält.

Unseren Weg müssen wir gehen,
  Weiter und weiter, von den Münzen geben,
    Aus den stets vollen Händen. Der Arme
      Gibt den Armen, heißt es. Der Einsame
        Leistet sich selbst Gesellschaft,
          Heißt es. Schwer tut sich der Mensch
            Sich nicht zu  verlieren. Blind sind wir
              Und wissen nichts vom Weg
                Den Engel uns führen
                  Durch das Blendwerk von Dämonen …

 

***

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ode vom milden Wintertag

Was für ein Tag!
Bei den Unsichtbaren ist Waschtag
Nun hängen die Tarnkappen tropfend am Ufer
Fröhlich flattern Elfen über die Wege
Von Wiese zu Wiese, dass der Flaneur seinen Augen kaum
                                                                             traut
Versilbert leuchtet die Insel
Himmelblau strömt der Fluss
Und die noch jungen Düfte des kleinen Restaurants
Streichen um mich herum ohne sich allzu weit vom
                                              heimischen Herd zu entfernen
Kindlich verwegen kitzeln sie die Nase des Verschnupften

Guten Tag schönes Elfenfräulein
Verweile Sie doch ein wenig
Neben mir auf dieser noch nachtfeuchten Bank
Die ich sogleich mit meinem Tuch trocknen will
O wie gern würde ich Ihrem Zwitschern lauschen
Und mit den Augen das frierende Herz wärmen

Hell sprüht ein fröhliches Gelächter
Und löst sich im Morgenlicht auf

Von der fernen Brücke dringt das gleichmäßige Rauschen des Autostroms
Unter der Brücke hindurch strömt der Strom lautlos zum Meer
Und hier fächelt die milde Luft
Eines Vormittags der sich in den Winter verirrt hat.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum meiner Antworten:
Seit Jahren abgelaufen. Nichts als vergessene Fragen in
                                                    verstaubten Regalen,
Fragen, vor Jahren aus sämtlichen Moden verschwunden,
Fragen, die fad riechen, sobald man den Mund aufmacht,
Fragen, für die selbst unter der Hand keine Antworten
              zu haben sind

Antiquiert wie Ballhaus, Komplimente und Sacher Torte
Fremd, unverständlich, beinahe Beschimpfungen …
Die du also besser für dich behältst
Wenn dir dein Leben lieb ist!

Auch die Flügel des Engels des Todes machen einen Luftzug
Werde ich also einen Unterschied bemerken
Während ich hier sitze
Schauend und wartend … wie gern
Würde ich mich mitnehmen lassen. Vermutlich
Wäre ich überrascht und würde das Atmen vergessen
Bis es zu spät sein wird, wieder damit anzufangen …
Selbst die Luft ist dann längst weitergezogen
Zusammen mit den Elfen
Die in ihr herumtoben …

Nur noch einmal umarmen zuvor
Mit der Liebsten die niemals aufhörte
Mich zu lieben, die niemals aufhörte mich daran zu erinnern
Dass ein Mensch lächeln soll
Wenn ihm sein Leben lieb ist …

Der Inselwind weht die wenigen Worte davon
Ariadne, dein Faden ist mürbe
Und voller Knoten
Ach, sagst du, das bisschen Warten
Die Ränder des Horizonts bröckeln
Sagst du, entferne dich also nicht allzu weit
Selbst die Wege sind trügerisch
Und die idyllisch anzusehenden Wiesen
Womöglich Moore ohne rettendes Ufer
Und dies Land tatsächlich der Rücken
Eines dösenden Meerungetüms
Welches demnächst erwachen könnte …
Das Einzige was sicher ist,
Erwidere ich lächelnd, lächelnd, da du mir lieb bist,
Ist, dass nichts sicher ist …

Gedicht, ich nenne dich Gedicht,
Doch tatsächlich bist du das bisschen Echo
Das der Einsame hört
Wenn der Lärm des Alltags, der alltägliche Lärm also,
Weiterzieht um nach neuen Zuhörern zu suchen

Das bisschen Stille, sagst du, so ein bisschen Stille,
Sagst du, füllt kaum die Zwischenräume
Zwischen all dem …

Zu dünn ist der Faden
Und ganz sicher zu kurz, Ariadne,
Und das Schnaufen des Minotaurus ist nah …
Ach, hätte ich doch dieses mich rettende Haar …

Lang … endlos wie ein Albtraum
Gleitet stromauf ein Lastschiff vorüber, tief im Wasser
                                                                                liegend
Schwer beladen scheint es.
Wer übers Wasser zu gehen vermag braucht hier nur ein
                                            wenig die Füße anheben,
Wie vor einer Bordsteinkante …

Unmöglich die Ladung auch nur zu vermuten, da die
                 Frachträume geschlossen sind …
Beinahe lautlos,
Einzig das gleichmäßige Rauschen
Des Wassers, welches der Bug sanft und stark zerteilt,
Das behagliche Summen der Motoren
Dringt bis zu mir und mischt sich mit dem Rauschen
Der sich entfernenden Zeit

Ach, hätte ich doch dieses Haar von dir, Ariadne,
                                 dass ich den Ausgang finde, Ariadne

Du warst wie jener Morgen im März
Fröhlich warst du, doch deine Worte klirrten bereits Gläser
      wie die im Schrank, wenn unten die Tram vorbeifährt …
Vom Zerspringen bedroht wie das angelehnte Fenster im
                            Januar
Durch welches sich der forsche Frost bis  unter die
             traumwarme Bettdecke zwängt
Fort, fort, niemand hat Sie zum
                            Verbleib geladen …
Forsch wie dein Haar, Ariadne

Glaubst du, ich hätte die Farbe deiner Haare vergessen …
Vergessen … so wie ich heute beinahe alles vergesse …
Was für ein Tag, Ariadne, ein Tag des Vergessens!

Selbst das wütende Schnauben hinter meinem Rücken
Vergessen, kaum, dass es für einen Moment verstummt
Vergaß … vergesse … vergessen …
Vergessen selbst, wie weit dies alles zurück liegt …

Wie weit alles zurück liegt …

Vergessen, wo ich war als der Tag einst so schön anfing
Vergessen, wo ich zu sein hoffte, wenn er am Abend, vielleicht
                                                                            enden wird …

Am Morgen schloss der Engel des Todes die Fenster und zog
                                                                          die Vorhänge zu
Kaum stand ich im Stiegenhaus zog er die Tür hinter sich ins
                         Schloss und sperrte ab
Wie mit Sieben Schlüsseln. Wortlos mich musternd ging er
An mir vorbei, die Stiege hinab, die Zeit stand stumm
Neben mir … Worauf auch immer wir warteten -

Es kam nicht.

Was für ein Tag, eiliges Elfenfräulein, die Bank ist längst
                                                                               trocken
Während das immer noch feuchte Käppchen sacht im Wind
                                                                                  weht
Warum also nicht ein wenig heitere Gesellschaft
Während der tief im Fluss liegende Lastkahn in einem fernen Hafen
                                                             erwartet wird
Während der Engel des Todes Döbling durchsucht …
Während die Sonnenuhr neben meinen Füßen verharrt …
Ein wenig Gezwitscher nur, wie das verlorene Echo
                                                                    Von ferne …

Von ferne – irgendwo jenseits des Vienna Twin Tower …
Von ferne – irgendwo jenseits von Favoriten …
Von ferne – irgendwo jenseits der Hohen Wand …
Von ferne – irgendwo jenseits aller Parke, Bahnhöfe,  Cafés …
So fern … irgendwo dort, wohin selbst das Erinnern nicht reicht …
So fern, dass selbst der fernste aller Dämonen nur in
           den Erzählungen seiner Urahnen davon reden hörte …
Nie von eines Menschen Fuß betreten …
Jenseits des bröckelnden Horizonts …

Während ich reglos auf unserer Bank an unserem Ufer sitze
                                                                       und warte …

Auf ein Haar, dein Haar, Ariadne, dass ich heraus aus mir
                                                                               finde

 

Violla Verde

Nein

Mein Blick fliegt nicht mit Adleraugen
Das Meer liegt da wie dunkles Glas …
Drum eil ich morgens aufzusaugen
Den Tau vom Augengras.

Mein Ohr hört nicht aufs Flöhehusten
Doch deine Worte hört es wohl -
Zu schwer um sie rasch fort zu pusten
So klar wie reiner Alkohol.

Meine Gedanken suchen stets die deinen
Im Traum flieg ich manchmal zu dir …
Ich bin in Wien … wirst du nun meinen
Doch nein, mein Herz pocht hier …

 

 

Martin H. Wolffskate

Der verlorene Tag

Wieviel, mein Gott, wieviel!! …
Der Mensch ist Meister im Verlieren!
So bricht er auf – allein das Ziel …
Scheint sich vor ihm zu zieren …

Sein Jetzt ist flach … und wird verbummelt …
Sein Ideal ging längst verloren …
Er hat geflunkert und geschummelt …
Fern ist der Tag der ihn geboren.

Die Märchen sind verschwunden …
Wie all der Zauber … all die Lichter …
Und irgendwann wird er gefunden
Vom „Schluss“ der letzten Richter …


 

 

 

 

 

 

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