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Fortunes März Ode

März … mit spitzen Zähnen nagt das blasse Jahr die Tage ab,
Mit scharfen Zähnen beißt sich das noch ahnungslose Jahr
Die Nabelschnur durch …

Die verzauberte Stadt ist der glückliche Zufall …
Und das Biergärtchen der GASOMETER STUB’N das Plätzchen …
Wo sich gut sitzen lässt … das vorbei flanierende Leben betrachten lässt …
Wo sich gut der Zufall erwarten lässt, ohne dass irgendwer drängt,
Abwarten, wie es wohl weitergehen wird.

Vielleicht ist es wirklich so, dass ich in den Städten etwas sehe,
Was die, die dort leben, längst nicht mehr spüren
Und die Durchreisenden nicht einmal ahnen …
So, wie du in mir etwas zu sehen glaubst,
Das ich weder in mir spüren würde,
Noch suchen würde,
Da ich bezweifle, dass es da ist …
Dass es noch da ist …
Dass es je da war.

Meidling ist der verzauberte Zufall in einer glücklichen Stadt,
Wie der schöne Zufall in der erstaunten Wirklichkeit,
Wenn sie denn diesen Zufall zufällig erblicken würde.
Was schon ein sehr erstaunlicher Zufall wäre.

März in der Moosbruggergasse ist nicht der März
Welchem man an guten Tagen in der Hohen Berg Straße begegnen kann,
Sowie unser März im Fliederhof keinen anderen März kennt,
Und vermutlich sehr erstaunt wäre, würdest du ihm vom fernen
Wienerberg März erzählen, welcher zwar viele Sonnen sieht,
Doch nie einen anderen März als sich, den Wienerberg März,
Und selbst dann nur, wenn ihn die glänzenden Augen der Liebenden
Spiegeln … spiegeln … spiegeln … spiegeln.

März vom Kahlen Berg hat gewiss noch nie von März Westbahnhof gehört.
Nebelmärz … Donaumärz … Wienmärz … Döblingmärz … Ottakringmärz …
Fünfhausmärz … Sechshausmärz …Maria-Hilf-März … Neubau-März …
Meidling-März … Gasometer-März … Violla-Verde-März …
März, wer ist so hochmütig, dich zählen zu wollen?!

Punschkrapfen-März … Stifter-März … Schubert-März …
Schwedenschnitten-März … März-März! … Meer-März … Märznebel …

Du gehst im Kreis,
Das Geheimnis der Welt geht als dein Schatten vor dir her,
Im Kreis, im Kreis, im Kreis!

Unmöglich den Schatten einzuholen,
Unmöglich das Geheimnis der Welt einzuholen,
Unmöglich, unmöglich, unmöglich!

Alles ist letztendlich unmöglich,
Man muss es nur wollen.

Seine Gesellschaftliche Grundeinstellung lässt zu wünschen übrig,
Befanden die gesellschaftlichen Erwachsenen
In der einsamen Kindheit über das einsame Kind,
Das ich einst war.
Was aber ist eine Gesellschaftliche Grundeinstellung?
Was kann man sich bezüglich einer Gesellschaftlichen Grundeinstellung wünschen?
Was ist eigentlich wunschlos glücklich?
Polykrates war einst unglücklich genug, sich das Unglück nicht zu wünschen.
Gott erließ Hiob ein wunschloses Unglück …

Kann man das Leben verstehen? Und wenn ja, wie lange?
Kann man hoffen? Und wenn ja, worauf?
Darf man wünschen?? Und wenn ja: was?!...

Du gehst im Kreis, das Geheimnis der Welt geht im Kreis.
Im Kreis. Im Kreis. Im Kreis.
An welchem Punkt des Kreises man auch sein mag, das Geheimnis ist gegenüber.
Dazwischen aber ruhen die Müllberge all der Gewissheiten, die niemand mehr braucht,
Die irgendwann verrotten … und dann zu neuen Gewissheiten werden …
Und die anderen Gewissheiten, die vielleicht niemals verrotten …
Achtung! Hochgefährliche Endlager für Gewissheitenmüll! …
Endlagerberge aus hochgefährlichem Gewissheitenmüll,
Berge die niemand überschauen kann …
Berge, um die man immer nur herumrennen kann,
Herum … herum … herum … ein Leben lang … bis es vorbei ist.
Vorbei, vorbei, vorbei.
Im Januar vorbei.
Im Februar vorbei.
Im März vorbei.

Im Nebel auf dem Kahlen Berg verbeugen sich hechelnd Kostümierte,
Sportiv verkleidet, dem Kirchlein den Rücken zugewandt, immerzu
Verbeugen, verbeugen, verbeugen…
Arme Gottheit, die solche Verehrer behüten muss. Verehrer,
Die eigentlich alles besser machen würden, wenn man sie nur ließe …
Verbeugen, hecheln, verbeugen, hecheln, verbeugen …
Gesund, vegan, fit und virenfrei, ewig jung bis ins hohe Bio-Alter …
Scheinbar auf immer aus dem Dasein der Zivilisation verbannt.

In Meidling leuchtet schwarz für 1 € 20 die Kronen-Zeitung aus den Plastiktüten
An den Laternenpfählen:
KEIN ENDE IN SICHT!
Aus dem Metro-Eingang kommen Leute und sehen nach der Sonne …
Sonne in Sicht!
Frühling in Sicht, Frühlingskollektion in Sicht, Frühlingsgesichter, Frühlingslächeln,
Frühling, Frühling, Frühling! Frühlingsluft, Frühlingsfrohsinn,
Ein fliegender Frühlingshändler verkauft frisch geschnittene Frühlingsblumen …
Und kein Ende in Sicht.

Lass uns Frühlingsrollen verspeisen, Violla,
Summ eines deiner schönen Frühlingslieder,
Wer weiß? Wer weiß, wer weiß …

Was sollte ich mit einer Fahrkarte bis zur Rua dos Douradores,
Da ich doch nur bis Philadelphia Brücke will,
Von wo aus man ohnehin laufen muss?! …

Es sei denn, dort fände ich endlich den seit Jahren so schmerzlich vermissten
Ruhigen, schmerzlosen, sorglosen Schlaf …
Tatsächlich wäre ich nur zu gern bereit,
Hätte ich denn „Die Welt in meinen Händen“,
Sie für eine Fahrkarte bis zur Rua Bartolomeu einzutauschen …
Oder aber für irgendein Buch … keines dieser „besonderen Bücher“ …
Irgendein Buch, an das ich in diesem Moment denke,
Welches höchstwahrscheinlich weder selten noch wertvoll sein wird …
Hauptsache, diese Welt in meinen Händen ist weg!
Hauptsache, meine Hand ist wieder frei, bereit für eine andere Hand!
Wenn nur „diese Welt in meiner Hand“ schnell aus meiner Hand …
Und der mit diesem Besitz verbundene Fluch!!
Diese Verantwortung, die nur Götter zu tragen vermögen …

O Engel der Versuchung, erbarme Dich auch in Zukunft der Götter!!

Gibt es Engel? Gewiss gibt es Engel …
Wie auch immer, mein Schicksal wird von ihnen gelenkt,
Und ich werde mich hüten, dies zu bezweifeln …
Im Gegenteil werde ich auch morgen wieder bemüht sein,
Den Engel zu erahnen …
Und dankbar zu sein.

Danken heißt zugeben, dass man weiß, dass man weiß,
Dass man nur wenig weiß … dass es das größte Glück ist, von einem Engel
Bemerkt zu werden.

Dank lässt das Herz aufblühen … während der Verstand frohlockt.
Wo der Verstand bereits da ist, da kommt die Liebe zumeist zu spät …
Was immer das Herz verbietet, rechtfertigt der Verstand.
Vernunft ist die Rechtfertigung der Unvernunft.
Vernunft nennt der Narr was immer er tut, was immer er nicht tut,
Vernunft nennt der Narr das Schicksal, das ihn mitschleift …
Nicht das Chaos ist absurd, sondern die Ordnung ist absurd.

Ein Chaos verhindert weder Irrtümer noch Totschläger,
Was tragisch ist, aber Teil der Bestimmung …
Doch die Vernunft braucht Denunzianten und Mörder …
Die Vernunft braucht Lumpen, Lumpen, Lumpen!

Die Seele ist die unvernünftige Gabe der Götter,
Das Hirn der Blindenstock der Wirklichkeit …

Der Mensch glaubt sich zu allem befähigt … nur nicht zur Einsicht.

Meidlinger Friedhof, wenn der April seine Jänner-Gräber öffnet,
Beginnen die Osterglocken zu läuten.

 

 

 

 

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